Swiss Online Campus nimmt offiziell Fahrt auf

Swiss Online Campus nimmt offiziell Fahrt auf
Regierungsrätin Bettina Surber und Michael Meier, Leiter des Swiss Online Campus. Der Bildungsverbund will Weiterbildung unabhängig vom Wohnort zugänglich machen. (Bildmontage: eastdigital.ch))

Mit dem Swiss Online Campus bündelt der Kanton St.Gallen gemeinsam mit Bildungspartnern aus mehreren Kantonen Online-Weiterbildungen unter einem Dach. Am Montag wurde der neue Bildungsverbund nach rund eineinhalb Jahren Aufbauarbeit offiziell eröffnet.

Zur offiziellen Eröffnung des Swiss Online Campus kamen am Montag 43 Personen zusammen - nicht vor Ort, sondern am Bildschirm. «Wenn man einen Online-Campus eröffnet, ist es nur konsequent, dies auch online zu tun», sagte die St.Galler Regierungsrätin Bettina Surber.

Hinter dem Projekt steht die Überlegung, Weiterbildung für möglichst viele Menschen ortsunabhängig zugänglich zu machen. Die Realität der Menschen, die sich weiterbilden wollen, habe sich verändert, sagte Surber. «Die Leute müssen nicht zur Bildung kommen, die Bildung muss zu den Leuten kommen.» Die Zugänglichkeit sei sowohl für den Bildungs- als auch für den Wirtschaftsstandort von Bedeutung. «Weiterbildung ist ein wichtiger Faktor für einen starken Wirtschaftsraum.»

Pragmatisch gewachsener Verbund

Entstanden ist der Swiss Online Campus nicht nach einem von Beginn weg festgelegten Konzept. Michael Meier, Leiter des Swiss Online Campus, beschrieb die Entwicklung als pragmatischen Prozess aus der Zusammenarbeit verschiedener Bildungsinstitutionen. Nach rund eineinhalb Jahren Aufbauarbeit ist daraus ein vom Kanton St.Gallen getragener Verbund mit Sitz in Rorschach und Bildungspartnern aus mehreren Kantonen entstanden. Zu den Netzwerkpartnern gehört kv edupool.

Unter dem gemeinsamen Dach werden Online-Weiterbildungen und Angebote der Höheren Berufsbildung gebündelt. Das Spektrum reicht von Einzelkursen und Sachbearbeitungslehrgängen bis zu Fachausweisen. Gemeinsamer Nenner ist der synchrone Onlineunterricht.

Meier brachte das Konzept mit «Live. Persönlich. Verbindlich.» auf den Punkt. Die Teilnehmer lernen zu festen Zeiten gemeinsam in Klassen und stehen direkt mit den Dozierenden in Kontakt. Damit unterscheidet sich das Modell von klassischen Selbstlernangeboten. Gleichzeitig entfallen Anfahrtswege, und Lehrgänge können unabhängig davon besucht werden, ob sie in der eigenen Region angeboten werden.

«Die Zusammenarbeit der Bildungspartner ist das Mittel. Der Mehrwert für die Teilnehmenden ist das Ziel», sagte Meier.

Online als Ergänzung

Welche Rolle solche Angebote künftig spielen können, diskutierten die Beteiligten auch an einem Podium. Marc Olivi, Leiter Höhere Berufsbildung und Weiterbildung beim Amt für Berufsbildung des Kantons St.Gallen, verwies auf die Bedeutung eines niederschwelligen Zugangs. Präsenzunterricht passe nicht in jede Lebensphase. Gerade wer längere Zeit keine Weiterbildung absolviert habe, finde später oft nur schwer wieder den Einstieg. Flexible Onlineangebote könnten deshalb auch einen Beitrag im Kampf gegen den Fachkräftemangel leisten.

Einen vollständigen Wechsel ins Digitale erwarten die Beteiligten nicht. Judith Wespi, Geschäftsleiterin von kv edupool, sieht die Zukunft nicht in einem Entweder-oder zwischen Online- und Präsenzunterricht. Entscheidend sei nicht, wo gelernt werde, sondern was gelernt werde.

Thierry Kurtzemann, Schulleiter der Akademie St.Gallen, sieht den Campus ebenfalls als Ergänzung. Seine Schule setzt bevorzugt auf eine Mischung aus Präsenzunterricht und Livestream. Für die Zukunft rechnet Kurtzemann mit rund 20 Prozent reinem Onlineunterricht und rund 60 Prozent hybriden Angeboten. Daneben werde es weiterhin bewusst Präsenzunterricht geben.

KI soll individuelles Lernen unterstützen

Nach der offiziellen Eröffnung beginnt für den Swiss Online Campus nun die nächste Phase. «Die Projektphase ist beendet, wir haben alle Werkzeuge für den Erfolg», sagte Meier. Der Campus soll sich nun etablieren und gemeinsam mit den Partnern weiterentwickelt werden. Dabei gehe es auch darum, die Bedürfnisse zu eruieren. Kunden gibt es laut Meier bereits aus der Schweiz und dem Ausland.

Auch künstliche Intelligenz soll künftig eine wichtige Rolle spielen. Meier sieht Potenzial insbesondere darin, individuelle Lernprozesse mit KI-Unterstützung zu begleiten.

https://swiss-online-campus.ch/

Text: pas

Newsletter