St.Galler Wetterdrohnen liefern Daten für US-Wetterdienst

Der US-Wetterdienst NOAA nutzt erstmals Atmosphärendaten, die mit Wetterdrohnen des St.Galler Unternehmens Meteomatics erhoben werden. In Oklahoma sollen die zusätzlichen Messungen helfen, Gewitter und Tornados früher und präziser vorherzusagen. Potenzial sieht das Unternehmen auch für die Schweiz.
Seit Ende Juli sind in Oklahoma Wetterdrohnen im Einsatz, die in St.Gallen entwickelt und gefertigt wurden. Die sogenannten Meteodrones des Wetterdienstleisters Meteomatics erfassen vertikale Profile von Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck und Wind bis in eine Höhe von 6000 Metern.
Damit sollen sie eine Lücke in der Wetterbeobachtung schliessen. Bodenstationen messen vor allem die Bedingungen unmittelbar an der Erdoberfläche, während Satelliten hochaufgelöste vertikale Profile in der unteren Atmosphäre nur eingeschränkt erfassen können. Gerade dort entscheiden Temperatur, Wind und Luftfeuchtigkeit jedoch wesentlich darüber, wo und wann sich Gewitter und Stürme entwickeln.
Messdaten fliessen bei NOAA ein
In Oklahoma werden die Meteodrones von der Oklahoma State University eingesetzt. Die gewonnenen Daten fliessen über das National Mesonet Program in die Wetterbeobachtung der US-amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration NOAA ein.

Das sogenannte Oklahoma 3D Mesonet ergänzt das bestehende Netz von Bodenstationen um Messungen in der Höhe. Die Drohnen starten selbstständig von einer automatisierten Meteobase, fliegen eine kontrollierte Route und kehren anschliessend zur Station zurück. Dadurch lassen sich wesentlich häufiger aktuelle Atmosphärenprofile erstellen als mit klassischen Wetterballons, die in den USA üblicherweise zweimal täglich aufsteigen.
Oklahoma gehört zu den US-Bundesstaaten, die regelmässig von schweren Gewittern und Tornados betroffen sind. «Tornados bilden sich in den untersten wenigen Tausend Fuss der Atmosphäre. Die Drohnen liefern dort genau jene zusätzlichen Beobachtungen, die Wettermodelle für kurzfristige und lokale Prognosen benötigen», sagt Brad Guay, Leiter Government & Defense Solutions bei Meteomatics. Mehr Daten könnten dazu beitragen, Warnungen vor Tornados, Hurrikanen oder Winterstürmen früher auszugeben.
Potenzial für die Schweiz
Meteomatics sieht für seine Technologie auch in der Schweiz Anwendungsmöglichkeiten. Die komplexe Topografie mit Alpen, Tälern und Seen sowie das dicht besiedelte Mittelland führen zu kleinräumigen Unterschieden bei Temperatur, Feuchtigkeit und Wind. Zusätzliche vertikale Messungen könnten deshalb insbesondere Prognosen für lokale Gewitter, Starkregen, Nebel und tiefe Bewölkung verbessern.
Die Bedeutung präziser Unwetterprognosen zeigte sich in den vergangenen Jahren mehrfach. Gemäss der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL verursachten Hochwasser, Murgänge, Rutschungen und Sturzprozesse 2024 in der Schweiz Schäden von rund 905 Millionen Franken. Das war der höchste Wert seit 2005 und der fünfthöchste seit Beginn der Datenauswertung 1972.

«Unser Ziel ist es, vertikale Messungen der Atmosphäre künftig ähnlich regelmässig verfügbar zu machen wie Messungen von Bodenstationen», sagt Meteomatics-Gründer und CEO Martin Fengler. Eine gezielte Erweiterung der meteorologischen Infrastruktur könne auch in der Schweiz zu präziseren Unwetterwarnungen, einer sichereren Energieversorgung und einem zuverlässigeren Verkehr beitragen.
Von Solarstrom bis Flugverkehr
Die zusätzlichen Atmosphärendaten könnten über die Unwetterprognose hinaus genutzt werden. Präzisere Feuchte- und Temperaturprofile ermöglichen laut Meteomatics bessere Vorhersagen von Bewölkung und Solarstromproduktion. Netzbetreiber könnten dadurch schwankende Photovoltaikleistung besser einplanen.
Auch für den Strassen- und Flugverkehr sind Anwendungen denkbar. Genauere Prognosen zur Entstehung und Auflösung von Nebel, tiefen Wolken und Vereisung könnten Planung und Sicherheit verbessern. Weitere Einsatzgebiete sieht Meteomatics in der Landwirtschaft und im Katastrophenschutz.
Text: pd/red