St.Gallen startet schweizweit ersten E-Collecting-Pilotversuch

Ab dem 1. September können Stimmberechtigte im Kanton St.Gallen kantonale Initiativen und Referenden auch elektronisch unterzeichnen. Die dafür entwickelte Plattform ist schweizweit erstmals im praktischen Einsatz.
Die St.Galler Regierung hat den Einsatz der neuen E-Collecting-Plattform genehmigt. Damit startet am 1. September 2026 der schweizweit erste Pilotversuch für das elektronische Sammeln von Unterschriften für politische Begehren.
Für alle kantonalen Initiativen und Referenden, deren Sammelfrist nach dem 1. September beginnt, können bis zu 50 Prozent der notwendigen gültigen Unterschriften elektronisch gesammelt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt soll E-Collecting auch für kommunale Initiativen und Referenden möglich werden.
Die Plattform wurde von der Abraxas Informatik AG im Auftrag des Kantons St.Gallen entwickelt. Stimmberechtigte können sich direkt auf der E-Collecting-Plattform einloggen und dort eine Sammlung unterstützen. Alternativ können sie einen QR-Code einscannen. Dieser wird den jeweiligen Komitees zur Verfügung gestellt und kann beispielsweise auf Unterschriftenlisten oder an Sammelständen eingesetzt werden.
Authentifizierung über AGOV
Zentral für das elektronische Verfahren ist die eindeutige Identifikation der unterzeichnenden Personen. Bevor eine elektronische Unterschrift abgegeben werden kann, erfolgt deshalb eine Authentifizierung über das kantonale E-Login. Dieses nutzt den Authentifizierungsdienst der Schweizer Behörden AGOV.
Anschliessend werden die elektronischen Unterschriften automatisiert mit dem Stimmregister abgeglichen. Dadurch sollen falsche und mehrfache Unterzeichnungen verhindert werden. Für die Einhaltung der datenschutzrechtlichen Vorgaben und die Wahrung des Stimmgeheimnisses wurden laut Kanton zusätzliche technische Vorkehrungen getroffen.
Bereits vor dem Start des Pilotbetriebs hatte der Kanton die Plattform einer öffentlichen Sicherheitsprüfung unterzogen. Der Quellcode wurde offengelegt und ein Bug-Bounty-Programm eingerichtet, über das Sicherheitsfachleute Schwachstellen melden können.
Erfahrungen für weitere Entwicklung sammeln
Mit dem Pilotversuch will der Kanton erstmals praktische Erfahrungen mit E-Collecting sammeln. Untersucht werden soll unter anderem, wie gross der Aufwand für das elektronische Sammeln im Vergleich zur klassischen Unterschriftensammlung auf der Strasse ist. Ebenfalls von Interesse ist, wie sich die zusätzliche Möglichkeit auf die Nutzung der direktdemokratischen Instrumente auswirkt.
Entlastet werden sollen auch die politischen Gemeinden. Da elektronische Unterschriften automatisch überprüft werden, müssen sie entsprechend weniger handschriftliche Unterschriften prüfen und bescheinigen.
Text: pd/red