KI bringt die Region mit ihrem Zukunfts-Ich ins Gespräch

KI bringt die Region mit ihrem Zukunfts-Ich ins Gespräch
Wer selbst wissen möchte, was das 20 Jahre ältere Ich zu sagen hat, kann den Dialog online starten

Wie sieht das eigene Leben in 20 Jahren aus – und was würde das ältere Ich der heutigen Generation mit auf den Weg geben? Der regionale Zukunftsprozess «echo» macht diese Begegnung mit einem KI-gestützten Videocall möglich. Entwickelt wurde die technische Umsetzung vom Institute of Computer Science der Universität St.Gallen.

Ein Selfie, eine kurze Sprachaufnahme und einige Fragen bilden den Ausgangspunkt für eine ungewöhnliche Reise in die Zukunft. Beim digitalen «echo»-Dialog können Menschen aus der Region mit einer künstlich gealterten und animierten Version ihrer selbst sprechen.

Im Mittelpunkt stehen dabei nicht technische Spielereien, sondern persönliche und regionale Zukunftsfragen: Was ist den Menschen wichtig? Was macht die Region lebenswert? Welche Veränderungen wünschen sie sich? Und wie soll sich der gemeinsame Lebens- und Wirtschaftsraum in den kommenden Jahren entwickeln?

Lanciert wurde «echo» Mitte Juni 2026 von der REGIO Appenzell AR-St.Gallen-Bodensee. Die Organisation vereint 45 Städte und Gemeinden aus den Kantonen St.Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Thurgau. Gemeinsam mit der Bevölkerung sollen in den nächsten Jahren Ideen, Projekte und neue Formate entstehen, welche die Region stärken und über ihre Grenzen hinaus sichtbar machen.

Ein Selfie wird zum Zukunfts-Ich

Der digitale Dialog ist zweistufig aufgebaut. Zunächst beantworten die Teilnehmer einige Einstiegsfragen und nehmen ein Selfie sowie ein kurzes Sprachsample auf. Danach können sie entscheiden, ob sie den Videocall mit ihrem Zukunfts-Ich starten möchten.

Im Hintergrund erzeugt die Anwendung eine um 20 Jahre gealterte und animierte Version der jeweiligen Person. Auch die Stimme wird für das virtuelle Gegenüber angepasst. Die Einstiegsfragen beanspruchen ungefähr drei Minuten. Für das anschliessende Gespräch sind rund 15 Minuten vorgesehen, wobei der Dialog jederzeit beendet werden kann.

Die KI soll abstrakte Zukunftsfragen auf eine persönliche Ebene bringen. Statt einen klassischen Fragebogen auszufüllen, begegnen die Teilnehmer einer Version ihrer selbst, die gewissermassen aus der Zukunft zurückblickt. Damit verbindet das Projekt digitale Partizipation mit einem emotionalen und spielerischen Erlebnis.

Das ICS-HSG entwickelte das technische Rückgrat

Verantwortlich für die technische Umsetzung ist das Institute of Computer Science der Universität St.Gallen, kurz ICS-HSG. Unter der Leitung von Professor Simon Mayer entwickelte das Institut das Backend des KI-gestützten Dialogs.

Das technische System koordiniert die verschiedenen Komponenten, verarbeitet die Eingaben und ermöglicht die Interaktion mit dem animierten Zukunfts-Ich. Für Mayer bietet das Projekt zugleich die Gelegenheit, den verantwortungsvollen Umgang mit künstlicher Intelligenz sichtbar zu machen.

«Umso wichtiger wird es, den Einsatz von KI verständlich, nachvollziehbar und verantwortungsvoll zu gestalten», sagt Mayer.

Die REGIO legt nach eigenen Angaben besonderen Wert auf Datenschutz und Transparenz. Die erhobenen Daten werden verschlüsselt übertragen und gespeichert. Sensible Informationen sollen nicht für das Training von KI-Modellen verwendet werden. Zudem wird für die Teilnehmer jederzeit ersichtlich gemacht, wann künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt.

Stimmen bilden die Grundlage für neue Projekte

Die im «echo»-Dialog gesammelten Meinungen, Wünsche und Perspektiven fliessen in die weiteren Schritte des mehrjährigen Zukunftsprozesses ein. Zunächst steht 2026 das Zuhören, Beobachten und Sammeln im Zentrum. In einer zweiten Phase werden die Ergebnisse 2026 und 2027 ausgewertet und diskutiert.

Anschliessend sollen 2027 und 2028 im Rahmen einer Ideenwerkstatt gemeinsam mit der Bevölkerung konkrete Projekte entwickelt werden. Ab 2028 beginnt die Umsetzungsphase.

Neben der Universität St.Gallen unterstützen die OST – Ostschweizer Fachhochschule und die Olma Messen St.Gallen AG den regionalen Zukunftsprozess. Damit verbindet «echo» wissenschaftliches Know-how, technologische Entwicklung und regionale Zusammenarbeit.

Wer selbst wissen möchte, was das 20 Jahre ältere Ich zu sagen hat, kann den Dialog online starten und zugleich seine Vorstellungen von der Zukunft der Region einbringen.

Zum «echo»-Dialog: www.echo-dialog.ch/dialog

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