St.Gallen erforscht digitale Selbstbestimmung

St.Gallen erforscht digitale Selbstbestimmung
Julian Eckl

Wie viel Autonomie bleibt Menschen und Institutionen im Zeitalter von KI und digitalen Plattformen? Diese Frage steht im Zentrum des zweiten Forschungsjahres am St.Gallen Collegium. Sieben internationale Forscher untersuchen von September 2026 bis Mai 2027, wie digitale Souveränität gelingen kann – von der Regulierung künstlicher Intelligenz bis zur technologischen Unabhängigkeit.

Digitale Plattformen regulieren, künstliche Intelligenz verantwortungsvoll einsetzen und technologische Abhängigkeiten verringern: Das neue Jahresthema des St.Gallen Collegiums berührt zentrale Fragen für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Im Mittelpunkt steht, wie unterschiedliche Akteure ihre Handlungsfähigkeit und Selbstbestimmung in der digitalen Welt gestalten können.

Nach dem Auftaktjahr unter dem Titel «Re-interpreting Freedom» richtet das Collegium seinen Blick im Herbstsemester 2026 auf die digitale Souveränität. Dabei verbindet es rechtliche, politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Perspektiven. Die sieben Fellows wurden in einem kompetitiven Auswahlverfahren berufen. Sie bearbeiten eigene Forschungsprojekte und entwickeln das Thema in gemeinsamen Forschungsaktivitäten weiter.

Einen direkten Bezug zu wirtschaftlichen Zukunftsfragen bringt der deutsche Autor und Wissenschaftskommunikator Thomas Ramge ein. Er untersucht das Zusammenspiel von Innovation und selektiver technologischer Unabhängigkeit. Martín Harracá, Forscher an der Nationalen Universität San Martín in Buenos Aires mit Forschungsanbindungen an die Universität Buenos Aires und die Universität Surrey, beschäftigt sich mit der Regulierung digitaler Plattformen in lateinamerikanischen Volkswirtschaften.

Zwei weitere Projekte widmen sich der künstlichen Intelligenz

Martin Ebers von der Robotics & AI Law Society (RAILS), Professor für IT-Recht an verschiedenen europäischen Universitäten, untersucht Rechtsrahmen, individuelle Autonomie und institutionelle Governance beim Einsatz von KI. Minna Ruckenstein, Professorin an der Universität Helsinki, erforscht die Autonomie in den Beziehungen zwischen Mensch und künstlicher Intelligenz.

Die politischen Dimensionen digitaler Souveränität beleuchtet Salma Aqida. Die Forscherin mit Stationen an der Goethe-Universität Frankfurt, der Cornell Universität und dem KITLV Leiden analysiert digitale Governance und Autoritarismus in hybriden Regimen. Eno Trimçev von der Universität Halle-Wittenberg untersucht, wie Digitalisierung und demokratische Zukunftsentwürfe zusammenhängen.

Eine afrikanische Perspektive bringt Lina Zedriga ein. Die Juristin sowie Friedens- und Konfliktforscherin aus Uganda beschäftigt sich mit demokratischer Resilienz und digitaler Souveränität in Afrika. Die unterschiedlichen regionalen und fachlichen Zugänge sollen der Vielschichtigkeit des Themas Rechnung tragen: Digitale Souveränität betrifft einzelne Menschen ebenso wie Institutionen und lässt sich weder auf eine Disziplin noch auf einen einzigen Akteur reduzieren.

Mit dem zweiten Jahr wechselt auch die akademische Leitung. Julian Eckl, Politikwissenschaftler an der School of Economics and Political Science der Universität St.Gallen, übernimmt die Aufgabe von Claudia Brühwiler. Der emeritierte Professor Christoph Frei begleitet die Fellows erneut als Convenor und moderiert die internen Workshops.

Über Veranstaltungen und die laufende Forschungsarbeit informiert das St.Gallen Collegium regelmässig auf seiner Webseite.

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