Schweizer sehen Digitalisierung zunehmend kritisch

Schweizer sehen Digitalisierung zunehmend kritisch

Der neue «DigitalBarometer 2026» der Stiftung Risiko-Dialog zeigt ein differenziertes Bild der digitalen Schweiz. Zwar gelten die digitale Infrastruktur, die Forschung und die Innovationskraft der Wirtschaft weiterhin als grosse Stärken des Landes. Gleichzeitig nehmen jedoch die gesellschaftlichen Sorgen rund um Digitalisierung und KI deutlich zu.

Besonders auffällig ist der Stimmungswandel bei der gesellschaftlichen Wirkung der Digitalisierung. 41 Prozent der Befragten beurteilen deren Einfluss auf die Gesellschaft inzwischen negativ, nur noch 34 Prozent positiv. Laut Studie hängen diese Einschätzungen stark damit zusammen, ob Menschen das Gefühl haben, mit der Digitalisierung Schritt halten zu können.

Als grösste digitale Schwäche der Schweiz gilt weiterhin die fehlende digitale Unabhängigkeit. 46 Prozent sehen darin ein Problem. Gleichzeitig haben sich die Bewertungen von Politik und Verwaltung verbessert. Während 2025 noch viele das Engagement des Staates im Bereich Digitalisierung kritisierten, wird die digitale Verwaltung 2026 deutlich positiver wahrgenommen.

KI sorgt für Optimismus und Unsicherheit

Auch beim Thema KI zeigt sich eine ambivalente Haltung. 48 Prozent der Befragten glauben, dass die Chancen von KI in den nächsten fünf Jahren überwiegen werden. Besonders optimistisch zeigen sich Menschen aus der Industrie- und Produktionsbranche. In der italienischen Schweiz dominiert hingegen die Skepsis.

Fast jeder zweite Befragte erwartet zudem tiefgreifende Veränderungen in der Arbeitswelt durch KI. Besonders junge Menschen rechnen mit grossen Umbrüchen. Gleichzeitig glauben aber nur 27 Prozent, dass KI neue berufliche Möglichkeiten schaffen wird.

Digitale Kluft bleibt bestehen

Deutlich wird auch die weiterhin bestehende digitale Kluft. Laut Studie verfügen 38 Prozent der Bevölkerung nicht über ausreichende digitale Grundkompetenzen. Besonders betroffen sind Menschen ohne nachobligatorische Ausbildung, armutsbetroffene Personen und Hochaltrige.

Gleichzeitig nutzen immer mehr Menschen generative KI-Anwendungen. Laut Studie verwenden inzwischen drei Viertel der Schweizer Bevölkerung Tools wie ChatGPT. Dadurch verändern sich auch digitale Alltagsroutinen grundlegend. Klassische digitale Tätigkeiten werden zunehmend durch KI-gestützte Prozesse ersetzt.

Grosse Lücken bei KI-Kompetenzen

Bei den KI-Kompetenzen schätzt sich die Bevölkerung insgesamt als relativ reflektiert ein. 80 Prozent geben an, die gesellschaftlichen Auswirkungen von KI zu verstehen. Gleichzeitig zeigen sich deutliche Lücken bei konkreten Fähigkeiten. Nur etwa die Hälfte weiss laut Studie, wo KI gezielt für Betrugszwecke eingesetzt wird.

Besonders kritisch fällt der Blick auf die Auswirkungen von KI auf die Kreativität aus. Drei Viertel der Befragten glauben, dass KI das kreative Arbeiten der Menschen schwächen wird. Die Experten der Studie warnen vor einem Verlust eigenständiger Denkprozesse und einer zunehmenden Vereinheitlichung von Inhalten durch generative KI-Systeme.

Datenschutz wichtiger als Komfort

Auch beim Datenschutz zeigt sich eine klare Haltung: 76 Prozent der Befragten gewichten den Schutz persönlicher Daten höher als den Komfort digitaler Anwendungen. Gleichzeitig wünschen sich viele stärkere Regeln gegen Falschinformationen und Hassrede im Netz.

Der vollständige Bericht «DigitalBarometer 2026» wurde von der Stiftung Risiko-Dialog gemeinsam mit der Mobiliar und digitalswitzerland veröffentlicht. Grundlage ist eine repräsentative Umfrage in der Schweizer Bevölkerung.

Text: pd/red

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