KI analysiert Emotionen am Arbeitsplatz

KI analysiert Emotionen am Arbeitsplatz

Professorinnen der Universität St.Gallen untersuchen, wie künstliche Intelligenz Emotionen am Arbeitsplatz sichtbar machen kann. Im Zentrum steht die sogenannte algorithmische Analyse von Gesichtsausdrücken, kurz AFEA. Die Methode soll helfen, emotionale Reaktionen in Gesprächen, Präsentationen oder Führungsprozessen präziser zu erkennen.

Die Studie von Prof. Silvia Stroe und Prof. Charlotta Sirén wurde im «Academy of Management Journal» veröffentlicht, einer der wichtigsten Fachzeitschriften im Bereich Managementforschung. Gemeinsam mit internationalen Co-Autoren zeigen die Wissenschaftlerinnen auf, wie sich KI-basierte Gesichtsanalyse künftig in Unternehmen und Organisationen einsetzen lässt.

KI Arbeitsplatz
Charlotta Sirén (l.) und Silvia Stroe

Im Kern analysiert AFEA mithilfe von Computer Vision und maschinellem Lernen kleinste Muskelbewegungen im Gesicht. Die Software erkennt Emotionen Bild für Bild in Videosequenzen und misst deren Intensität. Laut den Wissenschaftlerinnen ermöglicht dies deutlich präzisere Einblicke als klassische Befragungen oder Selbstauskünfte.

Die Methode basiert auf jahrzehntelanger psychologischer Forschung zu Gesichtsausdrücken. Mit modernen KI-Werkzeugen lasse sich diese Forschung nun erstmals effizient und automatisiert anwenden. «Emotionstheorien haben Emotionen schon immer als dynamisch und flüchtig beschrieben», erklärt Charlotta Sirén. Mit AFEA könne man erstmals beobachten, wie sich Emotionen innerhalb weniger Sekunden aufbauen und wieder abklingen.

KI Arbeitsplatz

Besonders interessant sei dabei das Phänomen der «emotionalen Ansteckung». Gemeint ist die unbewusste Übertragung von Emotionen zwischen Menschen. In einer Untersuchung der Wissenschaftlerinnen übertrug sich Freude innerhalb von 1,13 Sekunden von einer unternehmerischen Person auf eine investierende Person. Laut Silvia Stroe könnte die Geschwindigkeit dieser Synchronisation ein stärkeres Signal für echte Verbindung sein als verbales Feedback.

AFEA kann laut den Wissenschaftlerinnen zudem zwischen echten und gespielten Emotionen unterscheiden. So erkennt die Technologie beispielsweise den Unterschied zwischen einem echten Duchenne-Lächeln und einem höflichen, gesellschaftlichen Lächeln. Dadurch könnten künftig auch Themen wie emotionale Arbeit oder Authentizität im Kundenkontakt genauer untersucht werden.

Die Professorinnen sehen die Technologie langfristig nicht nur als wissenschaftliches Messinstrument, sondern auch als Werkzeug zur Selbstreflexion. Führungskräfte oder Unternehmer könnten damit analysieren, wie ihre emotionale Kommunikation tatsächlich wirkt. Ziel sei nicht Überwachung, sondern bessere Selbsterkenntnis. «Emotionale Kommunikation ist eine Fähigkeit», sagt Sirén. «Und wie jede Fähigkeit verbessert sie sich, wenn man endlich sieht, was man tut.»

Text: pd/red

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