KI erhöht das Tempo der Cybersecurity

Künstliche Intelligenz unterstützt Angreifer ebenso wie Verteidiger. An der Digital Conference Ostschweiz 2026 zeigten Fachleute vor rund 200 Gästen, was dies für Cybersecurity, Social Engineering und Desinformation bedeutet.
«KI verändert nicht die Spielregeln der Cybersecurity. Sie erhöht das Tempo des Spiels.» Mit dieser Aussage brachte Anna-Lena Horlemann eine zentrale Erkenntnis der Digital Conference Ostschweiz im Einstein Congress St.Gallen auf den Punkt.
Die Professorin für theoretische Informatik und Mathematik an der Universität St.Gallen zeigte, dass KI auf beiden Seiten eingesetzt werden kann. Angreifer können damit etwa Informationen beschaffen oder Schwachstellen suchen, Verteidiger beispielsweise Angriffe erkennen oder Software analysieren. «Wer nicht mitzieht, verliert den Anschluss», sagte Horlemann.

Social Engineering wird skalierbarer
Wirtschaftspsychologin Jill Wick richtete den Blick auf den Menschen. Social Engineering funktioniert, weil Menschen häufig schnell, intuitiv und mithilfe von Erfahrungswerten entscheiden. Genau diese Mechanismen lassen sich gezielt ausnutzen.
KI verändert das Prinzip nicht, erhöht aber Reichweite und Geschwindigkeit. Informationen über potenzielle Opfer lassen sich schneller zusammentragen und Betrugsversuche leichter personalisieren. «Es wird immer schwieriger, KI zu entdecken. Wir sollten uns nicht zu sehr auf unser Bauchgefühl verlassen», sagte Wick.

Auch der Kanton St.Gallen prüft den Einsatz künstlicher Intelligenz. Regierungsrat Beat Tinner erklärte, der Kanton habe Nutzen und Risiken untersucht und wolle Voraussetzungen für einen verantwortungsvollen Einsatz schaffen. Die Verantwortung müsse beim Menschen bleiben. «Es überwiegen die Chancen, aber nur, wenn wir aufmerksam bleiben.»
In fünf parallelen Breakout-Sessions ging es anschliessend in die Praxis. Die Themen reichten von Cyber Resilience und Vibe Coding über datenbasiertes Arbeiten mit KI bis zu Prompt Injection und der Frage, wie Unternehmen den Faktor Mensch in ihre Cybersicherheit einbeziehen können.
Desinformation wird schneller verbreitet
Henriette Engbersen, Leiterin Public Value der SRG, zeigte, dass Desinformation kein Produkt des KI-Zeitalters ist. «Jede neue technologische Revolution bringt auch eine Welle an Desinformation mit sich.»
Verändert hätten sich jedoch die Verbreitungswege. Soziale Medien und ihre Algorithmen belohnten Inhalte, die starke Reaktionen auslösen. «Was provoziert, wird auf Social Media mehr gezeigt.» Polarisierung und Desinformation seien deshalb «zwei toxische Freunde».

Community wählt Christian Naef
Ein weiterer Höhepunkt war die Wahl des Digital Shaper Ostschweiz 2026. Aus mehr als 50 nominierten Persönlichkeiten und Teams hatte die Community zunächst zehn Finalisten bestimmt. In einer zweiten Publikumsabstimmung setzte sich Christian Naef durch.

Der CEO und Co-Gründer des Wiler Start-ups RY3T beschäftigt sich mit der Digitalisierung und Automatisierung von Geschäftsprozessen. Mit seinem Sieg hatte er selbst nicht gerechnet: «Es ist eine grosse Ehre. Ich habe die Konkurrenz gesehen und nicht gedacht, dass ich es werde.»
Den Abschluss der Conference bildete Richard David Precht. Der Philosoph und Publizist warnte weniger vor einer allmächtigen Superintelligenz als vor einer Gesellschaft, die sich zunehmend auf Systeme verlässt, deren Funktionsweise sie nicht versteht. «Wir leben in einer Gesellschaft totaler Information, aber wir sind zu wenig geschult auf Urteilskraft.»

Text: pas
Bilder: Marlies Beeler-Thurnheer, Rebekka Grossglauser