Weltraumdaten als Geschäftsfeld

Satellitendaten stecken heute in vielen Alltagsdiensten. Ein neuer Zertifikatskurs der OST – Ostschweizer Fachhochschule zeigt, welches wirtschaftliche Potenzial hinter dieser Technologie steckt und wie Unternehmen sie nutzen können.
Ob Navigation, Wetterprognosen oder Paketverfolgung: Viele digitale Anwendungen basieren auf Daten aus dem All. Satellitengestützte Technologien sind längst Teil der digitalen Infrastruktur und liefern Informationen, die für Wirtschaft, Forschung und öffentliche Sicherheit zunehmend relevant werden.
Neben klassischen Anwendungen wie GPS oder Kartendiensten werden Satellitendaten etwa bei der Bekämpfung von Waldbränden eingesetzt, bei der Suche nach Vermissten oder in der Landwirtschaft zur präzisen Bewässerung von Feldern. Auch in der internationalen Politik spielen sie eine Rolle, weil sie unabhängig Informationen über Ereignisse in schwer zugänglichen Regionen liefern.
Neue Geschäftsmöglichkeiten
Mit dem Weiterbildungsangebot «CAS Chance Weltraum» greift die OST diese Entwicklung auf. Der Zertifikatskurs soll zeigen, wie Unternehmen satellitengestützte Technologien strategisch nutzen können.
Laut Kursleiterin Esther Omlin reagieren viele Unternehmen auf eine zunehmend volatile Weltlage. Handelskonflikte, geopolitische Spannungen und fragile Lieferketten führen dazu, dass Firmen nach neuen Technologien suchen, um Risiken besser einschätzen und Prozesse stabilisieren zu können.
Satellitendaten können dabei helfen, Risiken früh zu erkennen. Unternehmen könnten beispielsweise prüfen, ob Produktionsstandorte von Extremwetter betroffen sein könnten oder ob Störungen in globalen Lieferketten drohen.
Raumfahrt wird zunehmend kommerziell
Die Nutzung des Weltraums hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Während früher vor allem staatliche Organisationen wie NASA oder ESA Satellitendienste betrieben, wächst heute die sogenannte «New Space Economy». Immer mehr private Unternehmen entwickeln Komponenten für Satelliten oder nutzen deren Daten für wirtschaftliche Anwendungen.
Technologisch sinken die Einstiegshürden. Auch kleinere Firmen können inzwischen Satelliten starten oder Daten von kommerziellen Anbietern beziehen. Dadurch entstehen neue Geschäftsmodelle, etwa in der Umweltbeobachtung, in der Logistik oder im Tourismus.
Rechtliche und wirtschaftliche Fragen
Mit der stärkeren Nutzung des Weltraums wachsen allerdings auch die regulatorischen und wirtschaftlichen Herausforderungen. In der Schweiz arbeitet der Bund derzeit an einem Raumfahrtgesetz, das voraussichtlich 2028 in Kraft treten soll und unter anderem den Betrieb von Satelliten regelt.
Neben technischen Fragen spielen dabei auch Haftungs-, Finanzierungs- und Versicherungsfragen eine Rolle. Beispielsweise stellt sich die Frage, wer haftet, wenn ein Satellit andere Objekte im Orbit beschädigt. Auch Cyberangriffe oder Spionage gelten als potenzielle Risiken.
Der CAS-Kurs an der OST soll diese verschiedenen Aspekte zusammenführen. Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen vermitteln Grundlagen zu Technologie, Recht und Geschäftsmodellen der Raumfahrtwirtschaft. Ziel ist es, dass Unternehmen besser einschätzen können, welche Chancen satellitengestützte Technologien künftig bieten.
Text: pd/red