OST entwickelt smarten Einkaufswagen

OST entwickelt smarten Einkaufswagen

Ein Forschungsprojekt der OST – Ostschweizer Fachhochschule will das Einkaufen für blinde und sehbehinderte Menschen grundlegend vereinfachen. Mit dem autonomen Einkaufswagen «VIRAS» entwickelt das ILT Institute for Lab Automation and Mechatronics eine Lösung, die Nutzer selbständig durch den Supermarkt führt.

Einkaufen ist für Menschen mit Sehbehinderung oft nur mit Hilfe möglich. Orientierung im Laden, wechselnde Produktplatzierungen oder das Finden einzelner Artikel stellen grosse Hürden dar. Entsprechend vermeiden viele Betroffene den Einkauf oder delegieren ihn an Dritte. Genau hier setzt das Projekt VIRAS an.

KI führt durch den Supermarkt

VIRAS steht für «Visually Impaired Robot-Assisted Shopping» und kombiniert Robotik mit künstlicher Intelligenz. Der motorisierte Einkaufswagen navigiert autonom durch den Laden, erkennt Produkte im Regal und führt die Nutzer gezielt dorthin.

Vor dem Einkauf wird eine Einkaufsliste per App erstellt oder via Barcode übernommen. Anschliessend übernimmt das System die Navigation. Kameras und 3D-Mapping ermöglichen eine präzise Lokalisierung im Raum, während KI-gestützte Bilderkennung die gesuchten Produkte identifiziert. Akustische Signale und Handtracking helfen dabei, Artikel im Regal korrekt zu greifen.

Der Wagen begleitet den gesamten Prozess, vom ersten Produkt bis zum Check-out und zur Bezahlung.

Fokus auf Alltagstauglichkeit

Technisch basiert VIRAS auf einer modularen Plattform mit Sensorik, Sprachsteuerung und Echtzeit-Datenverarbeitung. Der Wagen bewegt sich nur auf ausdrücklichen Benutzerbefehl, was Sicherheit und Kontrolle gewährleisten soll.

Entwickelt wurde das System in enger Zusammenarbeit mit Blindenorganisationen. Eine Umfrage zeigt, dass 87 Prozent der Befragten Interesse an einer solchen Lösung haben. In der Schweiz sind rund 4 Prozent der Bevölkerung von einer Sehbehinderung betroffen.

Tests im realen Umfeld

Der Einkaufswagen wird aktuell unter realen Bedingungen getestet, unter anderem in einer Migros-Filiale in Hinwil. Ziel ist es, das System weiter zu optimieren und auf den Alltag auszurichten.

Langfristig soll der Nutzerkreis erweitert werden. Neben sehbehinderten Personen könnten auch ältere Menschen oder Personen mit eingeschränkter Mobilität profitieren. Auch für Kunden ohne Einschränkungen ist ein Einsatz denkbar, etwa als Navigationshilfe im Laden.

Breite Aufmerksamkeit in den Medien

Das Projekt stösst inzwischen auch ausserhalb der Forschung auf grosse Resonanz. Allein in der vergangenen Woche wurde VIRAS gleich mehrfach beim Schweizer Radio und Fernsehen vorgestellt, unter anderem in den Sendungen «Echo der Zeit», «Schweiz aktuell» und «Para-Graf».

Die Berichterstattung zeigt, dass der Bedarf an praxistauglichen Lösungen für barrierefreies Einkaufen hoch ist. Projektleiterin Chantal Keller spricht von einem wichtigen Signal: Das Interesse verdeutliche, dass inklusive Technologien das Potenzial haben, den Alltag vieler Menschen spürbar zu verbessern.

Text: pd/red

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