KI-Boom beschert VAT Rekordquartal

Der Ostschweizer Vakuumventilhersteller VAT profitiert vom weltweiten Ausbau der Halbleiterproduktion. Im dritten Quartal 2026 hat das Unternehmen sowohl beim Auftragseingang als auch beim Umsatz neue Höchstwerte erreicht. Für 2027 rechnet VAT mit einem deutlich stärkeren Wachstum als bisher erwartet.
Die VAT Group mit Sitz in Haag im St.Galler Rheintal hat im dritten Quartal 2026 Aufträge im Wert von 697 Millionen Franken erhalten. Das entspricht einem Anstieg von 193 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und 39 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2026. Der Umsatz erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 46 Prozent auf 376 Millionen Franken. Der Auftragsbestand erreichte mit 980 Millionen Franken ebenfalls einen Rekordwert.
Haupttreiber dieser Entwicklung ist die weltweit stark steigende Nachfrage nach leistungsfähigen Halbleitern. Insbesondere die hohen Investitionen grosser Technologieunternehmen in KI-Rechenzentren führen dazu, dass Chipproduzenten ihre Fertigungskapazitäten ausbauen. Hinzu kommt der Beginn der Serienfertigung von Halbleitern mit der sogenannten Gate-All-Around-Technologie (GAA), die bei modernsten Logikchips zum Einsatz kommt.
Halbleitergeschäft wächst besonders stark
Am deutlichsten zeigt sich die Entwicklung im Geschäftsbereich Semiconductors. Hier stieg der Auftragseingang gegenüber dem Vorjahr um 270 Prozent auf 538 Millionen Franken. Der Umsatz legte um 70 Prozent auf 284 Millionen Franken zu.
Auch der Geschäftsbereich Global Service, der unter anderem Ersatzteile, Reparaturen und Nachrüstungen anbietet, verzeichnete eine deutlich höhere Nachfrage. Sein Auftragseingang stieg gegenüber dem Vorjahr um 88 Prozent auf 101 Millionen Franken.
Im Bereich Advanced Industrials entwickelte sich insbesondere die Nachfrage nach Vakuumventilen für halbleiternahe Anwendungen und Beschichtungstechnologien positiv. Rückläufig war hingegen das Geschäft mit Forschungsanwendungen, das unter Finanzierungskürzungen leidet.
450 zusätzliche Stellen geschaffen
Um die steigende Nachfrage bewältigen zu können, baut VAT ihre Produktionskapazitäten weiter aus. Allein im dritten Quartal schuf das Unternehmen weltweit 450 zusätzliche Stellen, gemessen in Vollzeitäquivalenten. Bis Ende 2026 soll die Produktionsleistung auf 450 Millionen Franken pro Quartal steigen.
Die hohe Nachfrage hat auch Auswirkungen auf die Bestellfristen. Während diese Ende 2025 noch bei rund drei Monaten lagen, betragen sie inzwischen bis zu neun Monate oder länger. VAT führt dies unter anderem auf erwartete Preiserhöhungen und Unsicherheiten bezüglich der künftigen Produktverfügbarkeit zurück.
Das Unternehmen geht davon aus, dass die hohen Bestellvolumen nicht auf Doppelbestellungen oder künstlich aufgeblähte Aufträge zurückzuführen sind.
Umsatzprognose für 2027 deutlich angehoben
Für das laufende vierte Quartal erwartet VAT einen Umsatz zwischen 420 und 450 Millionen Franken. Auch für das Gesamtjahr 2026 hält das Unternehmen an seiner Prognose steigender Umsätze, Auftragseingänge und Gewinne fest.
Besonders optimistisch fällt der Ausblick auf 2027 aus. VAT rechnet inzwischen mit einem Umsatz, der deutlich über der bisherigen Prognosespanne von 1,5 bis 1,7 Milliarden Franken liegen wird. Eine konkrete neue Zielgrösse nennt das Unternehmen noch nicht.
Grundlage dieser Einschätzung sind die anhaltend hohen Investitionen in die Halbleiterindustrie. Nach Angaben von VAT befinden sich weltweit rund 150 neue Halbleiterfabriken im Bau oder in Planung. Einzelne Marktbeobachter halten deshalb Investitionen in Halbleiterfertigungsanlagen von mehr als 200 Milliarden Dollar im Jahr 2027 für möglich.
VAT zählt zu den weltweit führenden Herstellern von Hochleistungs-Vakuumventilen und betreibt Produktionsstandorte in der Schweiz, Malaysia und Rumänien. 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 1,07 Milliarden Franken.
Text: pd/red