Drei Viertel der Schweizer nutzen KI-Helfer

Künstliche Intelligenz ist in der Schweiz im Alltag angekommen. Laut einer aktuellen Comparis-Umfrage nutzen 76 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Tools wie ChatGPT, Google Gemini oder Perplexity AI. 2024 lag dieser Wert noch bei knapp 50 Prozent.
Die Entwicklung verläuft steil: 2025 nutzten bereits 62,4 Prozent der Bevölkerung KI-Chatbots, 2026 sind es 76,1 Prozent. «Die Nutzung von KI-Tools wird immer selbstverständlicher», sagt Comparis-Digitalexperte Jean-Claude Frick. Durch integrierte KI-Funktionen etwa in der Google-Suche komme heute praktisch jeder Internetnutzer mit künstlicher Intelligenz in Kontakt.
Unterschiede nach Alter, Bildung und Region
Die Nutzung ist jedoch ungleich verteilt. Besonders stark verbreitet ist sie bei jungen Menschen. In der Altersgruppe der 18- bis 35-Jährigen liegt sie bei 90,1 Prozent, bei den 36- bis 55-Jährigen bei 81,6 Prozent. Deutlich tiefer ist sie bei den über 56-Jährigen mit 52,1 Prozent.
Auch Bildung, Haushaltsgrösse und Einkommen wirken sich klar aus. Personen mit hoher Bildung nutzen KI-Tools zu 82,5 Prozent, bei niedriger oder mittlerer Bildung sind es 69,4 Prozent. In Haushalten mit drei oder mehr Personen liegt die Nutzung bei 83,0 Prozent, in Einpersonenhaushalten bei 71,4 Prozent.
Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Einkommen. Haushalte mit mehr als 8000 Franken nutzen KI zu 85,9 Prozent, bei Einkommen bis 4000 Franken sind es 55,7 Prozent. Regional liegt die Romandie mit 81,6 Prozent klar vor der Deutschschweiz mit 74,1 Prozent.
Von der Suche bis zur Arbeit
KI-Chatbots werden zunehmend als Alternative zu klassischen Suchmaschinen eingesetzt. 41,6 Prozent der Nutzer verwenden sie für die Informationssuche im Internet statt Google oder Bing, deutlich mehr als 2024 mit 27,2 Prozent.
Auch im Arbeitsalltag steigt die Nutzung. 31,4 Prozent der Chatbot-Nutzer setzen die Tools 2026 für Aufgaben wie Zusammenfassungen oder das Verfassen von Texten ein. Frick sieht darin eine klare Entwicklung: «Klassische Suchmaschinen, die nur Links liefern, stehen unter Druck.»
Die bevorzugte Form der Interaktion bleibt dabei eindeutig textbasiert. 61,9 Prozent der Befragten nutzen Chatbots über ein Chatfeld. Sprachbasierte Eingaben oder telefonische Lösungen sind deutlich weniger gefragt. Videointeraktionen mit Avataren bleiben ein Nischenphänomen.
Hohe Erwartungen und klare Grenzen
Die Erwartungen an KI sind hoch und die Fehlertoleranz gering. 62,9 Prozent der Befragten tolerieren Fehler bei Chatbots nicht eher als bei Menschen. Gerade im Unternehmenskontext kann das zum Problem werden, wenn fehlerhafte Inhalte ungeprüft übernommen werden.
Gleichzeitig zeigt sich eine klare Zurückhaltung beim Umgang mit sensiblen Daten. 55,5 Prozent der Befragten würden keine Informationen zu psychischen Problemen mit einem Chatbot teilen. Auch bei körperlichen Beschwerden liegt die Ablehnung mit 49,4 Prozent hoch. Mehr als die Hälfte lehnt zudem die Weitergabe persönlicher Daten für KI-gestützte Gesundheitsangebote grundsätzlich ab.
Anders sieht es bei einfachen, klar definierten Anwendungsfällen aus. 70,4 Prozent der Befragten bevorzugen Chatbots bei Anfragen zum Lieferstatus. Auch bei Produktfragen oder Registrierungen liegt die Zustimmung jeweils über 50 Prozent.
Die Daten basieren auf einer repräsentativen Befragung des Marktforschungsinstituts Innofact im Auftrag von Comparis im März 2026 unter 1’035 Personen in der Schweiz.
Text: pd/red