Cohaga sammelt Kapital und startet KI-Tool

Das St.Galler Start-up Cohaga hat erstmals externes Kapital aufgenommen. Zwei Investoren aus dem Tech- und SaaS-Umfeld beteiligen sich mit einem siebenstelligen Betrag. Parallel dazu bringt das Unternehmen ein neues Produkt auf den Markt, das gezielt auf Sichtbarkeit in KI-generierten Antworten abzielt.
Cohaga betreibt mit LeadHub eine Plattform für Direktmarketing und ist seit der Gründung 2020 ohne externe Finanzierung auf rund 30 Mitarbeiter gewachsen. Mit der Kapitalerhöhung ändert sich dieser Kurs nun erstmals. Laut Mitgründerin und COO Isabel Bischof geht es dabei nicht nur um Geld, sondern um die Beschleunigung der weiteren Entwicklung.
Vom Lead zur Empfehlung
Im Zentrum der aktuellen Expansion steht das neue Produkt «ranQ». Während LeadHub auf klassische Outbound-Leads ausgerichtet ist, soll ranQ gezielt Inbound-Leads generieren. Der Ansatz dahinter: Unternehmen sollen nicht mehr nur in Suchmaschinen gefunden werden, sondern direkt in Antworten von KI-Systemen wie ChatGPT auftauchen.
Damit reagiert Cohaga auf eine Entwicklung, die sich derzeit klar abzeichnet. Klassische Suchresultate verlieren an Bedeutung, während KI-basierte Antwortsysteme zunehmend zur ersten Anlaufstelle für Nutzer werden. Entscheidend ist nicht mehr die Position in einer Trefferliste, sondern ob ein Unternehmen in der Antwort selbst vorkommt.
Neuer Markt, unklare Spielregeln
Das Konzept hinter ranQ basiert auf «Generative Engine Optimization» (GEO). Gemeint ist eine Weiterentwicklung der Suchmaschinenoptimierung, die speziell auf KI-Systeme abzielt. Ziel ist es, Inhalte so aufzubereiten, dass sie von diesen Systemen als relevant und vertrauenswürdig eingestuft werden.
Der Markt dafür ist noch jung und wenig standardisiert. Klar ist aber: Sichtbarkeit verschiebt sich zunehmend von klassischen Rankings hin zu kuratierten Antworten. Wer dort nicht vorkommt, verliert potenziell an Reichweite.
CEO Fabio Mätzler spricht von einem grundlegenden Wandel im Nutzerverhalten. Immer mehr Entscheide würden auf Basis von KI-generierten Empfehlungen getroffen. Entsprechend positioniert Cohaga sein neues Produkt als Instrument, um genau dort präsent zu sein.
Frühe Phase mit offenem Ausgang
Ob sich GEO als neues Standardmodell etabliert, ist derzeit offen. Vieles hängt davon ab, wie transparent und beeinflussbar die Systeme grosser Anbieter künftig bleiben. Für Unternehmen entsteht damit ein neues Spannungsfeld zwischen Optimierung und Abhängigkeit.
Cohaga setzt dennoch klar auf diesen Trend und investiert mit dem frischen Kapital gezielt in den Ausbau dieses Bereichs. Damit positioniert sich das St.Galler Unternehmen früh in einem Feld, das sich aktuell erst formiert.
Text: pd/red