Neue Kabeltechnologie macht MRT fit für digitale Diagnostik

Neue Kabeltechnologie macht MRT fit für digitale Diagnostik
Metallische Gegenstände wie Kabel können im MRT durch die Luft fliegen oder sich erhitzen.

Die Digitalisierung der Medizin scheitert oft nicht an Algorithmen oder Software, sondern an physischer Infrastruktur. Forscher der Empa St.Gallen haben eine neue Kabeltechnologie entwickelt, die elektrische Mess- und Stimulationsverfahren erstmals sicher im Magnetresonanztomographen ermöglicht. Damit könnten hybride Diagnostiksysteme und datenbasierte Medtech-Anwendungen einen entscheidenden Schritt vorankommen.

Moderne Medizin setzt zunehmend auf die Kombination verschiedener Messverfahren. Elektroenzephalografie, Elektrokardiografie oder Neurostimulation liefern wichtige Daten, die heute oft ausserhalb des MRT erhoben werden müssen. Der Grund liegt in der Technik: Klassische Kupferkabel können im starken Magnetfeld eines MRTs Störungen verursachen oder sich erhitzen. Das erschwert die Integration digitaler Messsysteme in bildgebende Verfahren und begrenzt das Potenzial datenbasierter Diagnostik.

Hardware als Engpass der Digitalisierung

Die Digitalisierung der Medizintechnik ist nicht nur eine Frage von Software. Damit Daten parallel erhoben, synchronisiert und interpretiert werden können, braucht es kompatible physische Schnittstellen. Genau hier setzt die neue Entwicklung der Empa an. Statt Kupfer verwenden die Forscher Polymerfasern mit einer extrem dünnen Metallbeschichtung. Deren elektrische Leitfähigkeit lässt sich präzise steuern, sodass sie im MRT keine gefährlichen Effekte verursachen.

Damit wird es möglich, elektrische Signale während einer MRT-Untersuchung sicher zu übertragen. Die Technologie öffnet den Weg für Anwendungen, bei denen Bildgebung und elektrische Messdaten gleichzeitig genutzt werden. Für die digitale Medizin bedeutet das eine neue Qualität der Datenerhebung.

Materialinnovation als digitaler Enabler

Die Entwicklung zeigt, wie stark Digitalisierung von Material- und Hardwareinnovation abhängt. Erst durch neue Materialien lassen sich digitale Systeme in sensiblen Umgebungen wie der Medizintechnik integrieren. Für hybride Diagnostiksysteme ist die Kabeltechnologie ein zentraler Baustein, weil sie Datenströme und Bildgebung miteinander verbindet.

Die Forschung wurde in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen TI Solutions umgesetzt und durch Innosuisse unterstützt. Ziel ist nicht nur der wissenschaftliche Nachweis, sondern auch die industrielle Skalierbarkeit der Technologie. Erste Schritte in Richtung Serienfertigung sind bereits geplant.

Potenzial für datenbasierte Medtech-Systeme

Langfristig könnte die neue Kabeltechnologie die Entwicklung digitaler Medtech-Systeme beschleunigen. Anwendungen reichen von präziserer Hirndiagnostik über neue neurotechnologische Verfahren bis zu integrierten Monitoring-Systemen. Entscheidend ist, dass Bilddaten und elektrische Signale gleichzeitig und störungsfrei erhoben werden können.

Die Innovation macht deutlich, dass Digitalisierung nicht nur im Softwarebereich stattfindet. Sie entsteht an der Schnittstelle von Materialwissenschaft, Medizintechnik und Datenverarbeitung. Für die Schweizer Deep-Tech-Landschaft ist die Entwicklung ein Beispiel dafür, wie Grundlagenforschung zu einer Schlüsseltechnologie für digitale Anwendungen werden kann.

Text: pd/red

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