Hemora bringt KI in Schweizer Arztpraxen

Digitalisierung und Fachkräftemangel belasten den Alltag vieler Schweizer Arztpraxen. Das St.Galler Start-up Hemora hat dafür eine KI-gestützte Software entwickelt, die Laborberichte automatisch aufbereitet und verständlich zusammenfasst. Nach ersten Tests soll die Lösung nun in weiteren Praxen zum Einsatz kommen.
In der Schweiz verbringen Ärzte laut Hemora mehrere Stunden pro Woche damit, Laborwerte zu erklären. Diese Gespräche sind wichtig, binden aber Zeit, die in der medizinischen Versorgung fehlt. Hinzu kommt, dass viele Patienten medizinische Fachbegriffe nicht verstehen oder nicht dieselbe Muttersprache sprechen wie das Praxispersonal. Übersetzungsprogramme oder Angehörige werden deshalb häufig beigezogen.
Die Idee zu Hemora entstand aus einem konkreten Erlebnis. «Die Idee entstand, als ein Freund mir erzählte, dass sein Vater einen Laborbericht ohne jegliche ärztliche Erklärung erhalten hatte», sagt Gründer und CEO Filip Vasic. «Der Patient verstand weder die medizinischen Fachbegriffe noch die Relevanz der Werte.» Aus diesem Anlass entwickelte Vasic eine Software, die Laborberichte automatisiert auswertet und in verständlicher Sprache zusammenfasst. Die technische Umsetzung verantwortete er grösstenteils selbst, punktuell ergänzt durch externe Entwickler.

Die Anwendung verarbeitet hochgeladene Laborberichte und erstellt daraus zwei unterschiedliche Ausgaben. Für medizinisches Fachpersonal entsteht ein strukturierter Bericht mit klinischen Details, ergänzt durch Hinweise auf medizinische Fachliteratur. Parallel dazu wird ein vereinfachter Patientenbericht generiert, der in über 20 Sprachen verfügbar ist. Die Software bewertet einzelne Werte nicht isoliert, sondern setzt sie in Beziehung zu Parametern wie Alter, Gewicht, Geschlecht und bekannten Vorerkrankungen. Dabei kommt laut Vasic eine mehrstufige KI-Analyse zum Einsatz: «Unsere Triple-AI-Verifizierung arbeitet mit drei spezialisierten KI-Systemen, die Laborwerte im Kontext von Alter, Gewicht, Geschlecht und Krankengeschichte analysieren.»
Bislang hat Hemora fünf Validierungsinterviews mit Schweizer Hausärzten geführt und mehr als 50 anonymisierte Laborberichte analysiert. Rückmeldungen aus diesen Tests beziehen sich vor allem auf den möglichen Zeitgewinn sowie auf die Unterstützung bei der mehrsprachigen Kommunikation mit Patienten.
Derzeit bereitet Filip Vasic die formelle Firmengründung vor. In einem nächsten Schritt soll die Software in rund 100 Arztpraxen in der Deutschschweiz eingesetzt werden. Der Markteintritt ist zunächst in den Regionen St.Gallen, Zürich und Bern geplant, weitere Kantone sollen folgen.
Text: pd/red