Zwischen digitaler Präsenz und Funkstille: Gemeinden in der Ostschweiz

Social Media wird für Gemeinden in der Schweiz zunehmend zu einem wichtigen Kommunikationskanal. Doch in der Ostschweiz zeigt sich ein stark differenziertes Bild. Während viele Gemeinden inzwischen auf Plattformen wie Facebook, Instagram oder LinkedIn präsent sind, bleiben andere digital unsichtbar.

Das zeigt die Studie «Schweizer Gemeinden und Social Media 2026», eine quantitative Vollerhebung zur Social-Media-Präsenz aller Schweizer Gemeinden. Untersucht wurden die Plattformen Facebook, Instagram, LinkedIn, YouTube und TikTok. Die Erhebung wurde im Sommer 2025 durchgeführt und basiert unter anderem auf Daten des Bundesamts für Statistik.

St.Gallen mit hoher Social-Media-Durchdringung

Der Kanton St.Gallen weist innerhalb der Ostschweiz eine vergleichsweise hohe digitale Präsenz auf. Rund 76 Prozent der Gemeinden betreiben mindestens einen Social-Media-Kanal, während 24 Prozent auf keine der untersuchten Plattformen setzen. Damit liegt St.Gallen deutlich über dem Schweizer Durchschnitt, wo knapp die Hälfte aller Gemeinden auf Social Media aktiv ist.

Wie die Studie zeigt, beschränken sich viele Gemeinden jedoch auf wenige Kanäle. Häufig wird nur eine Plattform genutzt, meist Facebook oder Instagram. Mehrkanalstrategien bleiben die Ausnahme, was darauf hindeutet, dass Social Media in vielen Gemeinden eher ergänzend als strategisch eingesetzt wird.

Thurgau: Mehrheit der Gemeinden ohne Social Media

Ein anderes Bild zeigt sich im Kanton Thurgau. Hier sind nur rund 48,7 Prozent der Gemeinden auf Social Media vertreten, während 51,3 Prozent keinerlei digitale Präsenz aufweisen.

Damit liegt der Thurgau im nationalen Vergleich eher im Mittelfeld, gehört aber innerhalb der Ostschweiz zu den Kantonen mit der geringsten Social-Media-Durchdringung. Die Studie weist darauf hin, dass gerade ländlich geprägte Kantone oft zurückhaltender agieren, obwohl kleinere Gemeinden im Verhältnis zur Einwohnerzahl teilweise besonders grosse Online-Communities aufbauen können.

Appenzell Ausserrhoden mit moderater Nutzung

Im Kanton Appenzell Ausserrhoden sind 60 Prozent der Gemeinden auf Social Media aktiv, während 40 Prozent keine entsprechenden Kanäle betreiben.

Damit liegt Ausserrhoden zwischen St.Gallen und Thurgau. Auffällig ist, dass der Kanton zu den Regionen gehört, in denen einzelne Plattformen zuletzt deutlich an Bedeutung gewonnen haben. Besonders Facebook verzeichnete hier einen überdurchschnittlichen Zuwachs an Gemeindekanälen.

Appenzell Innerrhoden als digitaler Sonderfall

Ein Sonderfall ist Appenzell Innerrhoden. Laut Studie verfügt keine einzige Gemeinde über einen Social-Media-Auftritt. Auch auf Facebook ist der Kanton nicht vertreten.

Diese Situation ist schweizweit einzigartig und verdeutlicht, wie stark digitale Gemeindekommunikation von regionalen und kulturellen Faktoren geprägt ist.

Ostschweiz zwischen Aufholbewegung und strukturellen Unterschieden

Die Studie zeigt insgesamt, dass Social Media für Gemeinden in der Schweiz zunehmend zur Normalität wird. Schweizweit verfügen 49,8 Prozent der Gemeinden über mindestens einen Social-Media-Kanal. Facebook bleibt die wichtigste Plattform, gefolgt von Instagram und LinkedIn. YouTube ist überraschend verbreitet, während TikTok nur von wenigen Gemeinden genutzt wird.

In der Ostschweiz ist die Entwicklung jedoch uneinheitlich. Während St.Gallen in der digitalen Gemeindekommunikation vergleichsweise weit ist, bleiben andere Kantone deutlich zurück. Die Ergebnisse machen deutlich, dass die Ostschweiz nicht als einheitlicher digitaler Raum betrachtet werden kann, sondern von starken kantonalen Unterschieden geprägt ist.

Damit stellt sich für viele Gemeinden die Frage, welche Rolle Social Media künftig in der öffentlichen Kommunikation spielen soll. Die Studie legt nahe, dass digitale Kanäle zunehmend zu einem zentralen Instrument der Gemeindekommunikation werden, ihre Nutzung in der Ostschweiz jedoch stark vom lokalen Kontext abhängt.

Text: pd/red