St.Galler Gerichte treiben Digitalisierung der Justiz voran
Die Gerichte des Kantons St.Gallen arbeiten an der digitalen Transformation der Justiz. Neben neuen IT-Systemen prüfen sie auch den möglichen Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Rechtsprechung.
Die Digitalisierung der Justiz gehört schweizweit zu den zentralen Reformprojekten der kommenden Jahre. Sie betrifft nicht nur technische Systeme, sondern auch grundlegende Arbeitsabläufe. Ziel ist es, dass Verfahren künftig weitgehend elektronisch abgewickelt werden können – von der Einreichung einer Klage bis zum rechtskräftigen Entscheid.
Dabei soll der Rechtsverkehr in Zivil-, Straf- und Verwaltungsverfahren zunehmend digital erfolgen. Auch die Aktenführung wird künftig elektronisch organisiert. Für Parteien ohne anwaltliche Vertretung bleibt es jedoch weiterhin möglich, Eingaben in Papierform einzureichen.
Neue Fachapplikation für die Justiz
Im Kanton St.Gallen steht dabei insbesondere die Ablösung der bisherigen Fachapplikation «JURIS» im Fokus. Die Gerichte arbeiten gemeinsam mit der kantonalen Verwaltung an einer neuen Lösung, die künftig die gesamte Justizkette unterstützen soll.
Die Umstellung ist Teil eines grösseren Transformationsprozesses, der organisatorische, technische und rechtliche Fragen umfasst. Gleichzeitig sehen sich die Gerichte mit einer steigenden Geschäftslast konfrontiert. Nach eigenen Angaben soll die Qualität der Rechtsprechung dennoch auf hohem Niveau bleiben.
KI als mögliches Werkzeug
Parallel dazu prüfen die St.Galler Gerichte den möglichen Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Ein entsprechendes Projekt soll klären, in welchen Bereichen KI sinnvoll eingesetzt werden kann.
Neben konkreten Anwendungsmöglichkeiten geht es dabei auch um grundsätzliche Fragen – etwa zu rechtlichen Rahmenbedingungen oder zu ethischen Aspekten beim Einsatz solcher Technologien. Entscheidend sei, dass das Vertrauen der Bevölkerung in eine menschlich verantwortete Justiz erhalten bleibt.
Text: pd/red