St.Gallen stärkt Cyberschutz kritischer Infrastrukturen
Cyberangriffe können lebenswichtige Versorgungssysteme lahmlegen. Der Kanton St.Gallen will kritische Infrastrukturen deshalb besser schützen. Eine neue Strategie soll die Widerstandsfähigkeit stärken und Zuständigkeiten klären.
Die St.Galler Regierung hat eine umfassende Schutzstrategie für kritische Infrastrukturen, Prozesse und Dienstleistungen verabschiedet. Sie soll unter anderem dazu beitragen, die Folgen von Cyberangriffen auf wichtige Versorgungssysteme zu begrenzen und deren Funktionsfähigkeit auch in Krisensituationen sicherzustellen.
Cyberangriffe gehören zu den wachsenden Risiken für kritische Infrastrukturen. Werden zentrale IT-Systeme beeinträchtigt, kann dies weitreichende Folgen für die Versorgung von Bevölkerung und Wirtschaft haben. Neben digitalen Bedrohungen berücksichtigt die Strategie auch Risiken wie Trinkwasserknappheit oder Medikamentenengpässe.
Widerstandsfähigkeit statt alleiniger Schutzmassnahmen
Im Mittelpunkt der kantonalen Schutzstrategie für kritische Infrastrukturen, Prozesse und Dienstleistungen (SKIPD) steht die sogenannte Resilienz. Systeme sollen nicht nur möglichst gut gegen Angriffe und Störungen geschützt sein, sondern sich nach einem Vorfall auch rasch erholen können.
Dazu reicht der Schutz einzelner Anlagen nicht aus. Die Strategie berücksichtigt ebenso betriebliche Prozesse, Wissen, Kompetenzen und Lieferketten. Betreiber kritischer Infrastrukturen sind gefordert, ihre bestehenden Schutzvorkehrungen regelmässig zu überprüfen und zu verbessern.
Eine besondere Herausforderung bilden die Schnittstellen zwischen verschiedenen Organisationen. Wo Zuständigkeiten unklar sind oder sich überschneiden, können Sicherheitslücken entstehen. Die Regierung setzt deshalb auf eine stärkere Koordination zwischen Behörden, Infrastrukturbetreibern und Einsatzorganisationen.
Neue Koordinationsstelle und rechtliche Grundlagen
Die Regierung hat zwei prioritäre Massnahmen beschlossen. Zum einen soll eine kantonale SKIPD-Koordinationsstelle aufgebaut werden. Sie wird als zentrale Anlaufstelle für Fragen zum Schutz kritischer Infrastrukturen dienen und die Zusammenarbeit der beteiligten Akteure unterstützen.
Zum anderen sollen neue kantonale Rechtsgrundlagen geschaffen werden. Sie sollen die Verantwortlichkeiten von Kanton, Gemeinden und Infrastrukturbetreibern klar definieren und die koordinierte Zusammenarbeit rechtlich verankern.
An der Erarbeitung der Strategie waren neben Fachleuten der kantonalen Verwaltung auch Vertreter von Gemeinden, Aufsichtsbehörden, Infrastrukturbetreibern, Einsatzorganisationen und Unternehmen beteiligt.
Gemeinsame Lagebilder und Krisenübungen
In einem Folgeprojekt sollen weitere Massnahmen ausgearbeitet und umgesetzt werden. Vorgesehen sind Leitfäden und Checklisten, mit denen Betreiber die Widerstandsfähigkeit ihrer Systeme überprüfen und verbessern können.
Zudem will der Kanton gemeinsam mit den Betreibern ein übergreifendes Lagebild entwickeln. Dieses soll die koordinierte Beurteilung von Risiken und Störungen erleichtern. Ergänzend sind gemeinsame Planungen und Übungen mit Infrastrukturbetreibern, Einsatzorganisationen und Führungsstäben vorgesehen.
Die neue Schutzstrategie ist Teil der Schwerpunktplanung 2025–2035 der St.Galler Regierung. Sie soll die Krisenfestigkeit des Kantons erhöhen und dazu beitragen, dass kritische Dienstleistungen auch bei Cyberangriffen und anderen schwerwiegenden Störungen möglichst zuverlässig funktionieren.
Text: pd/red