Social-Media-Verbot für Jugendliche in der Kritik
Ein Verbot von Social Media für unter 16-Jährige wird auch in der Schweiz diskutiert. Der Medienpädagoge Mirco Manetsch, Absolvent der OST – Ostschweizer Fachhochschule, hält diesen Ansatz für wenig wirksam und setzt stattdessen auf Medienkompetenz und elterliche Begleitung.
Australien hat ein solches Verbot beschlossen, in Spanien und Deutschland gibt es entsprechende Bestrebungen . Ziel ist es, Kinder und Jugendliche vor negativen Auswirkungen von Plattformen wie Instagram oder TikTok zu schützen. Für Manetsch greift diese Logik zu kurz. Ein pauschales Verbot verhindere, dass Kinder frühzeitig lernen, reflektiert mit digitalen Plattformen umzugehen. «Wenn Kinder nicht frühzeitig lernen, reflektiert mit diesen Plattformen umzugehen, fehlt ihnen dieses Fundament später komplett», sagt der Absolvent des CAS Medienpädagogik an der OST.
Eltern in der Schlüsselrolle
Gemäss Manetsch kommt den Eltern eine zentrale Rolle zu. Viele seien verunsichert und sorgten sich, ihr Kind könne durch die digitale Welt den Bezug zur Realität verlieren, Konzentrationsprobleme entwickeln oder abhängig werden . Gleichzeitig würden andere Risiken unterschätzt. Als besonders gravierend bezeichnet er Cybergrooming. Kinder und Jugendliche würden gezielt kontaktiert und manipuliert, teilweise über Chatfunktionen in Online-Spielen . Technische Sperren böten hier kaum Schutz.
Entscheidend sei vielmehr der regelmässige Austausch auf Augenhöhe. Wenn Eltern Interesse zeigten und das Gespräch suchten, entwickelten Kinder ein gesundes Misstrauen und wendeten sich bei Problemen eher an ihre Bezugspersonen. «Kinder umgehen technische Sperren oft mühelos, wodurch Eltern jegliche Kontrolle und den Dialog verlieren», so Manetsch . «Echter Schutz entsteht nicht durch Riegel, sondern durch Begleitung».
Mirco Manetsch war über 20 Jahre im Journalismus tätig, unter anderem für das rätoromanische Radio und Fernsehen RTR, wo er die Kindernews-Sendung «Minisguard» produzierte . 2024 schloss er den CAS Medienpädagogik an der OST – Ostschweizer Fachhochschule ab und arbeitet heute bei Art Computer in der Abteilung Art Education. Dort begleitet er Schulen, Lehrpersonen, Kinder und Eltern im Umgang mit digitalen Medien.
Text: pd/red