Ostschweizer Robotik erobert immer neue Einsatzfelder

Die Schweiz gehört bei der Robotik international zur Spitzengruppe. Auch in der Ostschweiz entwickeln Unternehmen Roboter für ganz unterschiedliche Aufgaben: Sie reinigen Industriehallen, inspizieren Wasserleitungen, pflegen Käse oder bringen den Abfall am Flughafen gleich selbst zu den Passagieren.

Roboter verlassen zunehmend die Fabrikhallen. Sie transportieren Waren, reinigen Gebäude oder inspizieren Anlagen. Gleichzeitig sorgt künstliche Intelligenz dafür, dass die Maschinen ihre Umgebung besser erfassen und flexibler reagieren können. Dies zeigt der aktuelle Wirtschaftsmonitor von Raiffeisen.

Mindestens 217 Unternehmen gehören laut Raiffeisen zum Schweizer Robotikökosystem, zusammen beschäftigen sie rund 7000 Menschen. 109 zählt die Studie zur Kernrobotik, hinzu kommen 48 Zulieferer und 29 Integratoren. Rund 70 Prozent der Kernunternehmen sind in der Servicerobotik tätig.

Die grossen Zentren liegen zwar in Zürich und der Waadt. Doch auch in der Ostschweiz hat sich eine vielfältige Robotiklandschaft entwickelt.

Von Eschlikon in 40 Länder

Zu den erfolgreichsten Vertretern gehört Kemaro aus Eschlikon. Das Thurgauer Unternehmen entwickelt und produziert autonome Reinigungsroboter für Industrie- und Logistikflächen. Rund 1300 Kemaro-Roboter sind inzwischen in 40 Ländern im Einsatz. Im September erhielt das Unternehmen für seinen K900 den Swiss Excellence Product Award 2026.

Ebenfalls in der professionellen Reinigung aktiv ist Cleanfix Robotics aus Henau. Das Unternehmen entwickelt autonome Bodenreinigungssysteme für grosse Flächen.

Ganz anders sieht das Einsatzgebiet der Fluidbot AG aus Gossau aus. Ihr autonomer Roboter bewegt sich durch Trinkwasserleitungen und sammelt Daten über deren Zustand. Die Daten werden algorithmisch ausgewertet, um Schäden und Leckagen frühzeitig zu erkennen. Anfang 2026 sicherte sich das Start-up weiteres Kapital für die technologische Entwicklung und erste Markteinsätze. CEO und Mitgründer Stefan Bamberger wurde 2025 von den Lesern von eastdigital.ch zum «Digital Shaper Ostschweiz» gewählt.

Roboter bringen den Abfall weg

Für einen anderen Ansatz steht die Robonnement AG aus Altstätten. Das von Nimrod Malinas aufgebaute Unternehmen setzt unter anderem auf Robotics-as-a-Service. Am Flughafen Zürich kommen künftig 18 autonome Serviceroboter zum Einsatz. 15 davon dienen als mobile Abfalleimer, drei im Restaurantbereich. Auf den Abfallrobotern läuft ein in Altstätten entwickeltes KI-Modell, das unter anderem volle Behälter erkennt.

Dass die Technologie auch traditionelle Branchen erreicht, zeigt SchmiRo in Basadingen. Die Peter Schmid AG entwickelt seit mehr als 25 Jahren vollautomatische Käsepflegeroboter. Sie wenden die Laibe und behandeln sie während der Reifung mit Salzlake.

Integratoren bringen Roboter in die Produktion

Neben den Entwicklern eigener Systeme gibt es in der Region zahlreiche Spezialisten für deren Einbindung in industrielle Abläufe. Gerade für KMU können solche Integratoren die Einstiegshürden senken. Raiffeisen zählt sie deshalb ausdrücklich zum Robotikökosystem.

Dazu gehören etwa Robofact und Staedler Automation im Kanton St.Gallen sowie Aerne Engineering und Roth Technik im Thurgau. Sie entwickeln und realisieren unter anderem Robotik-, Handling- und Automationslösungen für industrielle Anwendungen.

KI gibt zusätzlichen Schub

Raiffeisen sieht die Branche vor einem weiteren Entwicklungsschritt. Kameras, Sensoren und künstliche Intelligenz ermöglichen Maschinen zunehmend, ihre Umgebung wahrzunehmen und auf wechselnde Situationen zu reagieren. Die Studie spricht von «physischer KI».

Mit rund 29 Industrierobotern pro 1000 Industriebeschäftigte gehört die Schweiz bereits zu den zehn Ländern mit der höchsten Roboterdichte. Die Ostschweizer Anbieter setzen dabei weniger auf Massenproduktion als auf Lösungen für konkrete Probleme, von der Reinigung über die Infrastruktur bis zur Lebensmittelproduktion und industriellen Automation.

Text: pd/pas