OST startet Eventreihe zu KI und geistigem Eigentum

Am Campus Buchs der OST – Ostschweizer Fachhochschule ist eine neue Veranstaltungsreihe lanciert worden. Unter dem Titel «IP-Awareness & Value Creation» diskutierten über 90 Fachleute aus Industrie, Wissenschaft und Recht, wie Künstliche Intelligenz das Management von geistigem Eigentum verändert – als Werkzeug mit hohem Potenzial, aber auch mit neuen Risiken.

Im Zentrum steht eine grundlegende Frage, die aktuell noch nicht abschliessend geklärt ist: Wer gilt als Erfinder, wenn eine Innovation wesentlich durch KI-Systeme entsteht? Gleichzeitig zeigen konkrete Vorfälle, dass der Handlungsbedarf bereits heute hoch ist. So wurden etwa beim Samsung-Datenschutzvorfall 2023 interne Daten unbeabsichtigt über KI-Systeme öffentlich gemacht.

«Wir befinden uns in einem wachsenden Spannungsfeld», sagte Knut Siercks, Leiter Departement Technik der OST, zum Auftakt. «KI bietet enorme Möglichkeiten im Innovationsprozess, die es zu nutzen gilt, aber auch unterschätzte Risiken.»

Patente rücken strategisch in den Fokus

Die Veranstaltungsreihe wird gemeinsam mit dem Deutsches Competitive Intelligence Forum und dem Switzerland Innovation Park Ost durchgeführt. Zum Auftakt referierten Experten aus Patentrecht, IT-Sicherheit und Unternehmenspraxis. Vertreter von Unternehmen wie Hilti, Kellerhals Carrard, Ivoclar Vivadent, Leica und Bühler waren vor Ort.

Inhaltlich zeigte sich schnell, dass Patente heute weit mehr sind als reine Schutzrechte. Sie gelten zunehmend als strategische Assets, die über Lizenzen oder steuerliche Modelle direkt zur Wertschöpfung beitragen. Gleichzeitig wird KI immer stärker zum Instrument, um diese Daten systematisch auszuwerten. Ein grosser Teil technischer Entwicklungen wird ausschliesslich in Patentanmeldungen veröffentlicht – ein Datenschatz für Analyse und Wettbewerb.

Zwischen Regulierung und Praxis

Ein weiterer Fokus lag auf regulatorischen Fragen. Viele Unternehmen nutzen KI bereits intensiv, oft ohne klare Compliance-Strukturen. Mit dem EU AI Act entstehen neue Sorgfaltspflichten, die in der Praxis teilweise noch wenig bekannt sind.

Parallel dazu wurden konkrete Schutzmassnahmen diskutiert. Dazu gehören etwa die Klassifizierung sensibler Daten, der Einsatz lokaler Sprachmodelle sowie Schulungen für Mitarbeiter im Umgang mit KI-Systemen. Ziel ist es, Risiken im Umgang mit geistigem Eigentum frühzeitig zu erkennen und zu minimieren.

Einigkeit bestand auch in einem Punkt: Trotz technologischer Fortschritte bleibt der Mensch zentral. KI kann grosse Datenmengen effizient strukturieren, ersetzt aber weder implizites Expertenwissen noch die notwendige Urteilskraft in komplexen Entscheidungssituationen.

Weitere Termine folgen

Die OST will die Reihe «IP-Awareness & Value Creation» mit wechselnden Themenschwerpunkten weiterführen. Termine und Inhalte der nächsten Veranstaltungen werden über die Kanäle der Hochschule kommuniziert.

https://www.ost.ch/de/formulare/397-veranstaltungsreihe-ip-awareness-value-creation

Text: pd/red