Mobiles Bezahlen überholt im Laden Bargeld und Debitkarte
In der Schweiz wird immer häufiger mit Smartphone, Smartwatch oder Tablet bezahlt. Der neue Swiss Payment Monitor der Universität St.Gallen und der ZHAW zeigt, dass mobile Zahlungen im stationären Handel erstmals die Spitzenposition erreicht haben. Gleichzeitig wächst der Rückhalt für Bargeld.
Mobile Geräte sind inzwischen das meistgenutzte Zahlungsmittel in der Schweiz. Gemessen an der Zahl aller Transaktionen entfallen 34,5 Prozent auf Zahlungen mit Smartphone, Tablet oder Smartwatch. Das sind 3,1 Prozentpunkte mehr als bei der Erhebung vor sechs Monaten. Bargeld folgt mit 23,2 Prozent, die Debitkarte bei nicht-mobiler Nutzung mit 22,5 Prozent.
Noch deutlicher zeigt sich die Verschiebung beim Bezahlen vor Ort. In Ladengeschäften erreichen mobile Zahlungen, darunter Twint, Mobile Wallets und In-App-Zahlungen, einen Anteil von 28,2 Prozent. Damit liegen sie erstmals seit Beginn der Erhebungen vor Bargeld mit 27,1 Prozent und der nicht mobil genutzten Debitkarte mit 25,8 Prozent. Vor sechs Monaten hatte die Debitkarte noch die Spitzenposition belegt.
Anders sieht das Bild aus, wenn nicht nach dem verwendeten Gerät, sondern nach dem dahinterliegenden Abrechnungsprodukt unterschieden wird. Werden beispielsweise in einer Mobile Wallet hinterlegte Karten den jeweiligen Kartenprodukten zugerechnet, bleibt die Debitkarte mit 33,2 Prozent die Nummer eins. Bargeld kommt auf 27,1 Prozent, die Kreditkarte auf 23,1 Prozent. Direkt vom Bankkonto abgebuchte mobile Zahlungen, vor allem über Twint, erreichen mit 12,7 Prozent einen neuen Höchstwert.
Bargeld bleibt erwünscht
Trotz des Trends zum digitalen Bezahlen will eine grosse Mehrheit nicht auf Bargeld verzichten. 79,2 Prozent der Befragten lehnen dessen Abschaffung ab. Das sind 10,4 Prozentpunkte mehr als bei der vorherigen Erhebung und der höchste bisher gemessene Wert. 58,3 Prozent finden eine Abschaffung sogar «überhaupt nicht gut».
Die Forscher sehen einen Zusammenhang mit der Abstimmung über die Volksinitiative «Bargeld ist Freiheit» und den direkten Gegenentwurf vom März 2026. «Die intensive öffentliche Debatte im Vorfeld der Abstimmung dürfte die Haltung der Bevölkerung gegenüber einer Bargeldabschaffung stark geprägt haben», sagt Tobias Trütsch, Zahlungsökonom der Universität St.Gallen.
KI darf beraten, aber nicht selbst bezahlen
Erstmals untersuchte der Swiss Payment Monitor auch die Haltung gegenüber KI-Assistenten beim Bezahlen. 42 Prozent der Befragten nutzen sprachbasierte KI-Tools mindestens regelmässig. Rund zwei Drittel könnten sich vorstellen, sich von einem KI-Assistenten bei der Wahl des Zahlungsmittels beraten zu lassen. Eine vollständig automatische Zahlung ohne eigene Bestätigung lehnen dagegen mehr als 80 Prozent ab.
«Die Menschen möchten die finale Entscheidung bei der Wahl des Zahlungsmittels selbst treffen», sagt Marcel Stadelmann, Zahlungsmittelexperte der ZHAW. Das Vertrauen in Anbieter von KI-Assistenten sei insgesamt tief. Vergleichsweise höher sei es, wenn solche Lösungen von Schweizer Zahlungsdienstleistern oder Banken angeboten würden. Besonders wichtig sind den Befragten Sicherheit, Datenschutz und Privatsphäre.
Für den Swiss Payment Monitor 2/2026 wurden im Mai 1590 Personen ab 18 Jahren aus allen drei Landesteilen befragt. 1117 Teilnehmer erfassten zusätzlich während vier Tagen ihre nicht wiederkehrenden Zahlungen in einem elektronischen Zahlungstagebuch. Die halbjährlich erscheinende Studie wird vom Center for Financial Services Innovation der Universität St.Gallen und dem Swiss Payment Research Center der ZHAW School of Management and Law herausgegeben.
Text: pd/red