KI verändert den Berufseinstieg: Weniger Junior-Stellen, mehr Unsicherheit
Künstliche Intelligenz verändert den Schweizer Arbeitsmarkt spürbar. Besonders Berufseinsteiger in Büro- und Wissensberufen bekommen die Folgen zu spüren. Das zeigt der erste KI-Report von jobs.ch, der Millionen von Stelleninseraten sowie Befragungen von Arbeitnehmenden und Unternehmen ausgewertet hat.
Wer heute in den Arbeitsmarkt einsteigt, findet teilweise andere Bedingungen vor als noch vor wenigen Jahren. Laut dem ersten jobs.ch KI Report ist der Anteil von Einstiegspositionen in Berufen mit hoher KI-Exposition seit dem Durchbruch generativer KI um 32 Prozent zurückgegangen. Grundlage der Untersuchung sind 7,3 Millionen Stelleninserate auf jobs.ch, jobup.ch und JobScout24.ch aus den Jahren 2019 bis 2025.
Besonders betroffen sind Bereiche wie Marketing, Administration, Finanzen und IT. In diesen Berufsfeldern können heute zahlreiche Aufgaben durch KI unterstützt oder teilweise automatisiert werden. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach erfahrenen Fachkräften hoch. Unternehmen suchen vermehrt nach Kandidaten, die rasch produktiv eingesetzt werden können.
Junge Arbeitnehmer blicken mit Sorge auf KI
Die Studie zeigt auch eine wachsende Verunsicherung unter jungen Arbeitnehmern. 41 Prozent der unter 25-Jährigen geben an, Angst zu haben, durch KI beruflich an Bedeutung zu verlieren. Dieses Phänomen wird international als «AI FOBO» bezeichnet, kurz für «Fear of Becoming Obsolete».
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass KI nicht nur technologische, sondern auch gesellschaftliche Fragen aufwirft. Insbesondere Ausbildung, Weiterbildung und der Aufbau von Berufserfahrung gewinnen an Bedeutung, wenn klassische Einstiegsaufgaben zunehmend automatisiert werden.
Fachkräftemangel bleibt bestehen
Trotz der Veränderungen durch KI bleibt der Fachkräftemangel in vielen Branchen bestehen. Besonders schwierig ist die Rekrutierung weiterhin im Gesundheitswesen, im Bau, im Handwerk sowie in technischen Berufen. Laut Report sind Pflegefachkräfte heute achtmal schwieriger zu finden als noch im Jahr 2023.
Die Analyse zeigt damit ein differenziertes Bild: Während KI in einigen Büro- und Wissensberufen den Arbeitsalltag verändert und den Einstieg erschwert, bleibt die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften in zahlreichen Berufsfeldern hoch. Gleichzeitig tauchen KI-Kompetenzen immer häufiger auch ausserhalb klassischer IT-Berufe in Stelleninseraten auf.
Für die Ostschweiz dürfte die Entwicklung insbesondere für Bildungsinstitutionen, Unternehmen und Start-ups relevant sein. Die Frage, wie junge Talente künftig Berufserfahrung sammeln und sich auf einen zunehmend KI-geprägten Arbeitsmarkt vorbereiten können, gewinnt weiter an Bedeutung.
Der vollständige Report ist hier verfügbar: jobs.ch KI Report 2026
Text: pd/red