KI schafft Milliardenpotenzial für die Schweiz

Eine neue Studie zeigt, dass Künstliche Intelligenz Innovation, Forschung und Wachstum massiv beschleunigen kann. Entscheidend ist, ob Schweizer Unternehmen und digitale Player das Potenzial auch konsequent nutzen.

Die Schweiz verfügt über ein jährliches KI-Innovationspotenzial von rund 15 Milliarden Franken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Implement Consulting Group im Auftrag von Google und digitalswitzerland. Präsentiert wurden die Ergebnisse im Umfeld des World Economic Forum in Davos. Der zentrale Befund: Künstliche Intelligenz kann Innovationen deutlich beschleunigen, neue Unternehmen hervorbringen und die Produktivität steigern. Voraussetzung ist jedoch, dass KI breit eingesetzt und wirtschaftlich verwertet wird.

KI als Hebel für Innovation und Produktivität

Die Studie analysiert, wie KI Forschungs- und Entwicklungsprozesse in der Schweiz verändert. Bereits heute treibt KI wissenschaftliche Fortschritte voran. Bis 2034 könnte die beschleunigte Innovation einen jährlichen wirtschaftlichen Wert von bis zu 15 Milliarden Franken generieren. Der gesamtgesellschaftliche Nutzen könnte dabei ein Mehrfaches der Unternehmensgewinne erreichen.

Gleichzeitig verweist die Studie auf strukturelle Herausforderungen. In Europa sinkt die Produktivität von Forschung und Entwicklung, während die Renditen von F&E-Investitionen hinter jenen der USA zurückbleiben. KI kann diese Entwicklung umkehren, indem sie die Qualität von Lösungen erhöht und die Effizienz von Forschung und Entwicklung je nach Bereich um 10 bis 20 Prozent steigert.

Drei strategische Dimensionen

Die Studie identifiziert drei zentrale Handlungsfelder:

Erstens die Innovationstätigkeit mit KI. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, neue Ideen zu generieren und Innovationen schneller umzusetzen. KI kann diesen Prozess beschleunigen und die Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Zweitens die Produktion von KI. Die Schweiz sollte sich aktiv am Aufbau von KI-Modellen, Rechenzentren und Anwendungen beteiligen. Der Ausbau dieser Infrastruktur bietet wirtschaftliche Chancen, insbesondere da Europa Vorteile bei KI-Anwendungen und Dienstleistungen hat.

Drittens die kommerzielle Nutzung von KI. Entscheidend sind innovative digitale Unternehmen, die KI-Technologien entwickeln, skalieren und in den Markt bringen. Solche Unternehmen leisten einen überproportionalen Beitrag zur Wirtschaft, da ihre Produktivität deutlich über dem europäischen Durchschnitt liegt. Die Annäherung Schweizer Digitalunternehmen an das Niveau führender OECD-Länder gilt als zentraler Wachstumshebel.

Verstärker für generative KI

Das jährliche KI-Innovationspotenzial von 15 Milliarden Franken wirkt als zusätzlicher Verstärker für das Wertschöpfungspotenzial generativer KI. Bereits frühere Analysen gingen davon aus, dass der Einsatz von KI langfristig einen jährlichen BIP-Zuwachs von 80 bis 85 Milliarden Franken ermöglichen könnte. Während die Entwicklung von Modellen und Anwendungen die Basis für die Nutzung schafft, kann die KI-gestützte Beschleunigung von Forschung die wirtschaftlichen Effekte langfristig nochmals deutlich erhöhen.

Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft

Christine Antlanger-Winter, Country Director Google Switzerland, betont, dass KI die Forschungs- und Entwicklungsprozesse in der Schweiz signifikant vorantreiben kann. Damit die Schweiz im internationalen Wettbewerb bestehen kann, müsse sie die Chancen der KI mutig und verantwortungsvoll nutzen und sicherstellen, dass der Nutzen der Technologie der gesamten Gesellschaft zugutekommt.

Franziska Barmettler, CEO von digitalswitzerland, sieht in der Studie eine Grundlage für konkrete Massnahmen. Ziel sei, dass die Vorteile von KI auch traditionelle Branchen und KMU erreichen. In diesem Kontext arbeitet digitalswitzerland am Swiss AI Action Plan in Zusammenarbeit mit einem breiten Ökosystem.

Martin Hvidt Thelle von der Implement Consulting Group verweist auf das volkswirtschaftliche Potenzial. Der Einsatz von KI in Forschung und Entwicklung könnte das BIP der Schweiz stärker steigern als in der EU. Besonders gross ist das Potenzial in forschungsintensiven Branchen wie Pharma und moderner Fertigung. Entscheidend sei, dass die Schweiz ihre Stärke bei der Skalierung innovativer Unternehmen nutzt, um das KI-Innovationspotenzial voll auszuschöpfen.

Die Studie macht deutlich: Künstliche Intelligenz ist nicht nur ein technologischer Trend, sondern ein strategischer Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz. Ob aus dem Milliardenpotenzial tatsächlich Wachstum entsteht, hängt davon ab, wie konsequent Unternehmen, Politik und digitale Akteure Innovationen vorantreiben und wirtschaftlich verwerten.

Text: pd/red
Titelbild: KI-generiert