KI-Agenten stossen im Onlinehandel auf Skepsis

KI-Agenten gelten als nächster Entwicklungsschritt im Onlinehandel. Sie sollen Produkte finden, Preise vergleichen und sogar selbständig Bestellungen auslösen. Eine Studie der Universität St.Gallen zeigt jedoch, dass viele Konsumenten im deutschsprachigen Raum dieser Entwicklung noch mit Zurückhaltung begegnen.

Zwar sind KI-Agenten vielen Menschen bereits ein Begriff, im Alltag spielen sie beim Online-Einkauf bislang aber nur eine Nebenrolle. Das geht aus einer Untersuchung des Instituts für Handelsmanagement der Universität St.Gallen (IRM-HSG) hervor. Für die Studie wurden knapp 3000 Personen in der Schweiz, Deutschland und Österreich befragt.

Nur wenige überlassen der KI den ganzen Einkauf

Rund 15 Prozent der Befragten haben KI-Agenten bereits genutzt, um sich beim Online-Shopping unterstützen zu lassen. Lediglich fünf Prozent lassen die Systeme den gesamten Kaufprozess selbständig übernehmen.

«Die technologische Entwicklung schreitet derzeit sehr schnell voran. Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass sich das Konsumentenverhalten deutlich langsamer verändert», erklären die Studienautoren Thomas Rudolph und Christopher Schraml vom Institut für Handelsmanagement der Universität St.Gallen.

Preisvergleiche ja, Kaufentscheidungen lieber selbst

Besonders hoch ist die Akzeptanz bei klar definierten Aufgaben. Fast jede zweite befragte Person würde KI-Agenten Preisvergleiche zwischen verschiedenen Anbietern oder die Suche nach Sonderangeboten überlassen.

Anders sieht es bei persönlicheren Entscheidungen aus. Produktempfehlungen, die Bewertung von Kundenrezensionen oder die endgültige Kaufentscheidung möchten viele weiterhin selbst treffen. Rund die Hälfte der Befragten betrachtet Online-Shopping zudem nicht nur als funktionalen Vorgang, sondern auch als Erlebnis, das nicht vollständig automatisiert werden soll.

Datenschutz und Fehlkäufe sorgen für Skepsis

Als grösste Hürde identifiziert die Studie das Vertrauen. Nur gut jede fünfte befragte Person traut KI-Agenten zu, Produkte zuverlässig zu suchen, zu filtern und zu vergleichen. Soll die KI den Einkauf vollständig übernehmen, sinkt dieser Wert auf lediglich 15 Prozent.

Als Hauptgründe nennen die Befragten Datenschutzbedenken sowie die Sorge vor Fehlkäufen. Viele möchten die Kontrolle über ihre Kaufentscheidungen nicht vollständig an eine Künstliche Intelligenz abgeben.

Jüngere sind offener für KI-Agenten

Die höchste Akzeptanz zeigt sich bei den 16- bis 24-Jährigen. Mehr als jede fünfte Person dieser Altersgruppe hat KI-Agenten bereits zur Unterstützung beim Online-Einkauf eingesetzt. Ältere Konsumenten kennen die Technologie zwar häufig ebenfalls, nutzen sie jedoch deutlich seltener.

Durchbruch lässt auf sich warten

Für die kommenden zwölf Monate erwarten die HSG-Forscher keinen grundlegenden Wandel. Rund 18 Prozent der Befragten planen, KI-Agenten künftig zur Unterstützung beim Online-Shopping einzusetzen. Nur etwa jede zehnte Person kann sich vorstellen, den gesamten Einkauf einer KI zu überlassen. Das Potenzial der Technologie ist aus Sicht der Forscher zwar vorhanden. Bis zum breiten Einsatz im E-Commerce dürfte es aber noch dauern.