ICT-Saläre wachsen kaum noch, Top-Spezialisten ziehen davon

Der Schweizer ICT-Arbeitsmarkt erlebt einen Trendbruch: Nach mehreren Jahren mit spürbaren Lohnsteigerungen wächst der Gesamtmedian 2026 nur noch um 0,2 Prozent. Gefragte Spezialisten für KI, Cloud, Cybersecurity und Daten profitieren dagegen weiterhin von steigenden Salären. Gleichzeitig ist Homeoffice fast flächendeckend etabliert, wird von den Unternehmen aber kaum entschädigt.

Der Lohnboom in der Schweizer ICT-Branche ist vorerst vorbei. Gemäss der neuen ICT-Salärstudie von swissICT steigt der Gesamtmedian der Saläre 2026 lediglich um 0,2 Prozent. Bereits 2025 hatte das Wachstum nur noch 0,4 Prozent betragen. In den Jahren 2023 und 2024 waren die ICT-Löhne noch um 1,8 beziehungsweise 1,7 Prozent gestiegen.

Die Entwicklung markiert laut swissICT einen Wechsel der Wachstumslogik. Während nach der Corona-Pandemie Fachkräfte auf breiter Front knapp waren und Saläre über zahlreiche Funktionen und Hierarchiestufen hinweg zulegten, konzentriert sich das Wachstum heute auf einzelne Rollen und besonders gefragte Kompetenzprofile.

«Nach mehreren Jahren spürbaren Wachstums ist die aktuelle Ruhe selbst eine Aussage», sagt Studienleiterin Cornelia Ammon. «Der Markt hat sich neu sortiert: Wo früher breites Wachstum herrschte, zählen heute vor allem die jeweiligen Skills und Kompetenzen.»

Ein Senior verdient 2026 im Median 130’650 Franken und damit praktisch gleich viel wie im Vorjahr. Unter Berücksichtigung der Inflation bedeutet die weitgehende Stagnation für viele ICT-Fachkräfte einen Verlust an Kaufkraft.

Fachkarriere überholt Führungskarriere

Deutlich anders präsentiert sich die Situation bei hochqualifizierten Spezialisten. Senior Experts erzielen 2026 ein Mediansalär von 177’938 Franken. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von 2,8 Prozent, seit 2020 beträgt das Plus sogar 16,2 Prozent.

Damit hat die Fachkarriere beim Salär die klassische Führungskarriere teilweise überholt. Das mittlere Management kommt auf einen Median von 156’000 Franken und liegt damit deutlich hinter den Senior Experts. Auch das obere Management verzeichnete seit 2020 mit 17,9 Prozent einen starken Zuwachs.

In der Breite fällt die Entwicklung wesentlich zurückhaltender aus. Die Saläre von Juniors stiegen seit 2020 lediglich um 1,3 Prozent, jene von Professionals um 1,9 Prozent. Das untere Management liegt 2026 nominal sogar 0,5 Prozent unter dem Stand von 2020.

«Wer heute Fachleute für KI, Cloud, Cybersecurity oder Daten sucht, konkurriert in einem Markt, in dem die Nachfrage das Angebot übersteigt», sagt Urs Gurtner-Oesch, Leiter der Arbeitsgruppe ICT-Saläre von swissICT. Erfahrung und Hierarchie allein garantierten nicht mehr automatisch das höchste Salär. Entscheidend sei zunehmend, auf welchen Kompetenzen die Erfahrung beruhe.

Unternehmen müssen genauer differenzieren

Die Entwicklung stellt Arbeitgeber vor neue Herausforderungen. Ein insgesamt stabiler Markt könne leicht zur Annahme verleiten, dass Lohnanpassungen nicht nötig seien, warnt swissICT-Geschäftsführer Kurt Lanz. Bei den gefragtesten Spezialisten sei jedoch das Gegenteil der Fall.

«Wer hier nicht differenziert hinschaut und den Markt im Blick hat, riskiert genau die Abgänge, die sich am schwersten ersetzen lassen», sagt Lanz. Für Unternehmen werde es deshalb wichtiger, Salärentscheide nicht allein an Funktion, Dienstalter oder Hierarchiestufe auszurichten, sondern die tatsächliche Nachfrage nach bestimmten Kompetenzen zu berücksichtigen.

Bewegung zeigt sich auch am unteren Ende der Salärskala. Neu eingestellte Juniors erhalten 2026 im Median 80’000 Franken. Das sind 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Wettbewerb um junge Talente bleibt damit intensiv, obwohl KI-Werkzeuge den Berufseinstieg verändern und teilweise anspruchsvoller machen.

Homeoffice ist Standard, aber kaum entschädigt

Ergänzend zur Salärstudie hat swissICT den Employment Conditions Report zu den Anstellungsbedingungen veröffentlicht. Dieser zeigt, dass hybrides Arbeiten in der ICT-Branche praktisch flächendeckend angekommen ist. 94 Prozent der teilnehmenden Unternehmen ermöglichen Homeoffice, lediglich sechs Prozent verlangen eine vollständige Präsenz im Büro. Am häufigsten schreiben die Unternehmen drei Bürotage pro Woche vor.

Bei der finanziellen und materiellen Unterstützung zeigt sich dagegen ein anderes Bild. 83 Prozent der Unternehmen bezahlen keine Entschädigung für das Arbeiten zu Hause. 92 Prozent stellen ihren Mitarbeitern auch keine materielle Ausstattung für das Homeoffice zur Verfügung.

«Homeoffice ist in der ICT-Branche längst kein Verhandlungspunkt mehr, sondern Grundausstattung», sagt Ammon. «Die Flexibilität ist angekommen, die Kostenfrage bleibt bei den Mitarbeitern.»

Die Auswertung zeigt zudem, dass sich die Anstellungsbedingungen stärker zwischen einzelnen Branchen als zwischen den Schweizer Regionen unterscheiden.

Mehr als 37’000 Saläre ausgewertet

Die ICT-Salärstudie 2026 basiert auf 37’112 Salärangaben von 214 Unternehmen. Die Teilnehmer reichen vom KMU bis zum Grossunternehmen und stammen aus der gesamten Schweiz. swissICT führt die Erhebung seit 1981 jährlich durch. Sie gilt als umfassendste Untersuchung ihrer Art im Schweizer ICT-Sektor und dient Unternehmen und Fachkräften als Grundlage für Lohnsysteme, Personalbudgets und Salärverhandlungen.

swissICT vertritt rund 2200 Mitglieder entlang der digitalen Wertschöpfungskette. Dazu gehören ICT-Anbieter, Anwenderorganisationen und Fachkräfte.

Weitere Informationen: ICT-Salärstudie 2026