Cyberkriminelle setzen auf Insider

Cyberkriminelle setzen zunehmend auf den Faktor Mensch. Laut einem neuen Report von TrendAI werden Mitarbeiter gezielt angeworben, um Unternehmen von innen heraus anzugreifen. Besonders im Fokus stehen Banken, Telekommunikationsunternehmen, Social-Media-Plattformen und zunehmend auch KI-Unternehmen.

Statt Sicherheitslücken auszunutzen, kaufen Cyberkriminelle immer häufiger den Zugang zu Unternehmen direkt ein. Zu diesem Schluss kommt der neue Report «The Market for Trust: How Cybercriminals Recruit Corporate Insiders» von TrendAI. Die zweijährige Analyse von Untergrundforen und Telegram-Kanälen zeigt, dass sich rund um sogenannte Insider-Zugänge ein professioneller Schwarzmarkt entwickelt hat.

Die Forscher beobachteten ein arbeitsteiliges Geschäftsmodell mit Vermittlern, Preislisten, Gewinnbeteiligungen und langfristigen Geschäftsbeziehungen. Insider-Zugänge werden dabei wie eine Dienstleistung gehandelt. Gesucht werden nicht primär IT-Administratoren, sondern Mitarbeitende mit weitreichenden Entscheidungsbefugnissen, etwa bei Zahlungsfreigaben, der Wiederherstellung von Konten oder der Betrugsprüfung.

«Der einfachste Weg in ein Unternehmen führt heute nicht mehr zwangsläufig über eine Sicherheitslücke, sondern oft über einen Mitarbeiter», sagt David Sancho, Senior Threat Researcher bei TrendAI.

KI-Unternehmen werden attraktiver

Neben klassischen Zielbranchen wie Finanzdienstleistern, Telekommunikationsanbietern und Social-Media-Plattformen geraten laut dem Report zunehmend Unternehmen aus der KI-Branche ins Visier. Je wertvoller Modelldaten, Trainingsdaten und privilegierte Zugänge werden, desto interessanter sind deren Mitarbeiter für Cyberkriminelle.

Die Autoren sprechen von einem grundlegenden Wandel. Während Insider-Bedrohungen früher vor allem mit unzufriedenen Mitarbeitern oder menschlichen Fehlern in Verbindung gebracht wurden, würden Kriminelle heute gezielt vertrauenswürdige Beschäftigte rekrutieren und deren Zugänge systematisch vermarkten.

Feste Preise für Insider-Dienstleistungen

Der Report dokumentiert zahlreiche Beispiele dafür, wie weit sich dieser Untergrundmarkt bereits professionalisiert hat. So werden entsperrte Social-Media-Konten, manipulierte Sendungsverfolgungen oder unrechtmässig gewährte Rabatte zu festen Preisen angeboten. Teilweise existieren garantierte Bearbeitungszeiten oder sogar Wiederverkäuferprogramme. Besonders detailliert untersucht TrendAI die Bereiche Telekommunikation, Social Media und Finanzwesen.

Im Telekommunikationssektor zahlen Kriminelle laut Report bis zu 20'000 US-Dollar sowie eine Gewinnbeteiligung, um Mitarbeiter für sogenannte SIM-Swap-Angriffe zu gewinnen. Dadurch können sie SMS-basierte Zwei-Faktor-Authentifizierungen umgehen und Zugang zu Bank- oder Kryptokonten erhalten.

Auch Social-Media-Plattformen sind ein lukratives Ziel. Insider sollen gesperrte Konten bei Plattformen wie Meta, TikTok oder X gegen mehrere Tausend Dollar wieder freischalten oder betrügerische Werbeanzeigen genehmigen. Im Finanzbereich dokumentiert der Report unter anderem Angebote für Insider-Zugänge zu Buchhaltungsabteilungen sowie Kopfgelder für die Vermittlung bestechlicher Mitarbeiter bei Kryptobörsen.

Unternehmen müssen Mitarbeiter schützen

Aus Sicht der Autoren reicht es deshalb nicht mehr aus, Unternehmen ausschliesslich technisch abzusichern. Ebenso wichtig sei es, Mitarbeiter vor gezielten Anwerbeversuchen zu schützen und entsprechende Risiken frühzeitig zu erkennen.

Der vollständige Report untersucht die Entwicklung branchenübergreifend, unter anderem in den Bereichen Behörden, Gesundheitswesen, Industrie, Energie, Logistik, Einzelhandel sowie Finanz- und Telekommunikationsunternehmen.

Text: pd/red