Bund schreibt Milliardenauftrag für Swiss Government Cloud aus

Mit der Swiss Government Cloud will der Bund seine IT-Infrastruktur modernisieren und die digitale Souveränität stärken. Für die Beschaffung von Cloud-Diensten ist ein maximales Auftragsvolumen von sieben Milliarden Franken vorgesehen. Auch Schweizer IT-Unternehmen können sich beteiligen.

Die Bundesverwaltung erhält eine neue Cloud-Infrastruktur. Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) hat am 20. Oktober 2026 die öffentliche Ausschreibung für die Swiss Government Cloud (SGC) gestartet. Sie soll die bestehenden Systeme schrittweise ablösen und künftig auch Kantonen, Städten und Gemeinden zur Verfügung stehen. Der Aufbau ist bis 2032 geplant.

Drei Cloud-Stufen für unterschiedliche Anforderungen

Technisch setzt der Bund auf einen Hybrid-Multi-Cloud-Ansatz, der öffentliche und private Cloud-Angebote kombiniert. Je nach Schutzbedarf und Anforderungen an die Datenkontrolle stehen drei Stufen zur Verfügung.

Die erste Stufe, «Global Reach», umfasst Public-Cloud-Dienste international tätiger Anbieter. Sie eignet sich insbesondere für Anwendungen, die hohe Rechenleistungen oder flexible Skalierung benötigen.

Bei der zweiten Stufe, «Enhanced Data Governance», gelten strengere Vorgaben: Daten dürfen ausschliesslich in der Schweiz gespeichert und bearbeitet werden. Zudem kommen Open-Source-Lösungen zum Einsatz.

Die dritte Stufe, «On-Premise», ist für besonders schutzwürdige Anwendungen vorgesehen. Hier werden sämtliche Daten in den Rechenzentren des Bundes verarbeitet und gespeichert. Für die beiden ersten Stufen sollen jeweils zwei Anbieter berücksichtigt werden, für die dritte ein einziger. Dabei kann jedes Unternehmen nur für eines der drei Lose einen Zuschlag erhalten.

Chancen für Schweizer IT-Unternehmen

Mit der Ausschreibung verfolgt der Bund auch das Ziel, seine Abhängigkeit von einzelnen Technologieanbietern und ausländischen Rechtsordnungen zu reduzieren. Dazu setzt er auf offene Standards und eine technologieneutrale Beschaffung.

Das eröffnet einheimischen IT-Unternehmen Geschäftsmöglichkeiten. Besonders die Anforderungen an Datenhaltung, Open Source und den Betrieb geschützter Infrastrukturen könnten für Schweizer Anbieter interessant sein.

Neben den eigentlichen Cloud-Diensten umfasst das Projekt den Ausbau der Netzwerkinfrastruktur, zusätzliche Cybersicherheitsmassnahmen sowie automatisierte Betriebsprozesse. Beratungs- und Ausbildungsangebote sollen die Bundesverwaltung beim Umstieg unterstützen.

Sieben Milliarden als Obergrenze

Das maximale Beschaffungsvolumen beträgt sieben Milliarden Franken über eine Vertragsdauer von 14 Jahren. Davon entfallen jeweils bis zu zwei Milliarden Franken auf die beiden Public-Cloud-Stufen und maximal drei Milliarden Franken auf die Private Cloud.

Diese Beträge sind keine fest eingeplanten Ausgaben, sondern definieren die Obergrenzen für den möglichen Leistungsbezug. Abgerechnet werden ausschliesslich tatsächlich genutzte Ressourcen nach dem Pay-as-you-use-Prinzip.

Davon unabhängig sind die Kosten für den Aufbau der SGC. Diese beziffert das BIT auf insgesamt 319,4 Millionen Franken. Der dafür beantragte Verpflichtungskredit beträgt 246,9 Millionen Franken.

Erste Dienste ab Herbst 2027

Das Beschaffungsverfahren erfolgt in zwei Phasen. Zunächst können sich interessierte Unternehmen während 60 Tagen für die Teilnahme qualifizieren. Anschliessend folgt die Angebotsphase.

Sofern keine Einsprachen mit aufschiebender Wirkung erfolgen, sollen die Zuschläge im Spätsommer 2027 erteilt werden. Erste Dienste könnten damit bereits im Spätherbst 2027 verfügbar sein.

Die Migration der bestehenden Anwendungen soll innerhalb von vier Jahren nach der ersten Umstellung abgeschlossen werden. Die SGC bildet damit künftig eine zentrale technische Grundlage für die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung.

Hier finden sie die Ausschreibungsunterlagen

Text: pd/red